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Wie alles kam

Paul Maar hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er Herrn Taschenbier in den Sams-Romanen eigene Charakterzüge zugeschrieben hat. 

Mit 83 Jahren erzählt Maar nun unverstellt seine eigene Kindheit. Früh verliert er seine Mutter und wird von einem Vater zurückgestossen, der verbittert aus dem Krieg zurückkehrt – eine schwer belastete Kindheit, in der das Lesen zum verbotenen, aber lebenserhaltenden Elixier wird.

Dieser «Roman einer Kindheit» ist geprägt von berührender Offenheit – oft schmerzlich, zuweilen schonungslos, aber auch zärtlich und lebensbejahend. Natürlich bleibt Maar auch in seiner ganz eigenen Geschichte ein glänzender Erzähler und Stilist.

Durch diese literarische Qualität, und weil er seine Kindheitsgeschichte nicht bloss erzählt, sondern genauso klug reflektiert, wird «Wie alles kam» auch zum Spiegel für uns. Wir können nun einerseits nachvollziehen, wie Paul Maar zu Herrn Taschenbier und dem Sams kam. Wir tauchen bei der Lektüre aber auch in den Roman unserer eigenen Kindheit ein. Das Kind, das wir alle einmal waren, erhebt seine Stimme.

Text: Thomas Binotto