Bericht aus dem Vatikan

Was der Papst zu Weihnachten schenkt …

Franziskus geht auch in seiner Geschenkkultur unorthodoxe Wege. 

Die Menschen im Bistum Chur wünschen sich vom Papst, er möge ihnen einen guten Bischof schenken. – Uns rund 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Vatikan schenkt er Weihnachtsgebäck. Das ist Tradition. Unter Johannes Paul II. waren es stets ein Panettone und eine Flasche Spumante. Unter Benedikt XVI. bekannte italienische Markenprodukte und jeder Papst-Angestellte hat sich gefreut, mit dem süssen Gebäck und der Flasche nach Hause zu gehen.

Selbstverständlich gab es dazu eine schöne Karte mit einem Gruss und einer Unterschrift des Pontifex. Die Päpste haben im Laufe der Kirchengeschichte ihre Mitarbeiter immer mit kleinen Gesten verwöhnt. So erhielt das Personal bei jedem Papstwechsel einen zusätzlichen Monatslohn als Geschenk.

Als aber Franziskus gewählt wurde, verzichtete er auf diese Tradition und spendete das vorgesehene Gehaltsgeschenk an das päpstliche Almosenamt. Und in diesem Pandemie-Jahr gibt es weder Panettone noch Spumante. Stattdessen hat sich Franziskus, der ursprünglich Chemie studiert hatte, ein besonderes Geschenk ausgedacht: jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter erhält fünf Packungen Anti-Grippe-Mittel, um gesund zu bleiben.

Statt Kalorien und Alkohol gibt es also Präparate gegen Kopfschmerzen und hohes Fieber. Sicher, das ist ein unübliches Geschenk, aber Franziskus achtet nicht auf die gesellschaftliche Etikette, sondern – wie er es in seinen bisherigen päpstlichen Schriften immer wieder unterstrichen hat – auf konkrete Gesten. Mögen sie auch so klein sein, wie zum Beispiel das Lichtausschalten, wenn man das Zimmer verlässt oder die Mülltrennung.

Solche Handlungen sind vielleicht nördlich der Alpen selbstverständlich, in der Ewigen Stadt sind sie es nicht. So ist das grösste Geschenk, das die Römerinnen und Römer bisher erhalten haben, einen Papst zu haben, der durch kleine Gesten Grosses bewirken kann. Mülltrennung wird nun viel stärker gefördert als vor wenigen Jahren. Denn, wenn der Papst das sagt, dann kann sich doch ein «guter Katholik» nicht aus der Verantwortung stehlen, heisst es jetzt in Rom.

Und so hoffen viele, dass mit dem Medizin-Geschenk des Papstes auch viele Gläubige in der Welt sich ein Beispiel nehmen: es muss nicht immer ein neues Natel sein. Auch praktische Gaben können einem Mitmenschen die Wertschätzung ausdrücken. Und in diesem Corona-Jahr ist diese Botschaft keine leere Floskel. Das päpstliche Almosenamt hat deshalb Impfstoffe gegen Grippe sowie Covid-Tests an eine Hilfsgruppe in der Nähe von Rom verschenkt.

Das Besondere daran: Bei der Selbsthilfegruppe handelt es sich um eine Vereinigung von Transsexuellen. Auch da will der Papst den Römern, seinen Mitarbeitern und der Weltkirche eine klare Botschaft vermitteln: Nächstenliebe muss konkret sein – immer und überall.

Text: Mario Galgano