Hymnus des Himmels erleben
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Chorleiter Bernhard Pfammatter bringt vielfältige Musik in die Liturgie. Foto: Christian Murer
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Es ist 10.20 Uhr am Weihnachtsmorgen auf der Empore der Liebfrauenkirche in Zürich. Langsam füllt sie sich mit Sängerinnen und Sängern. Auch die Musiker packen ihre Original-Instrumente aus und bereiten sich für die Vorprobe vor. Hauptorganist Gregor Ehrsam büschelt am Orgelpositiv die Noten. Pünktlich um halb elf kann Chorleiter Bernhard Pfammatter die Probe beginnen. Am Festgottesdienst um halb zwölf wird die Missa in C von Joseph Fux, dem bedeutendsten österreichischen Komponisten der Barockzeit, erklingen. Es singen vier SolistInnen, der Chor an Liebfrauen sowie die CappellÂAntiqua.
Als City- und katholische «Hauptkirche» von Zürich zeichnet sich die Liebfrauenkirche dadurch aus, dass sie sich der Schönheit und Tradition der Liturgie verpflichtet fühlt. Für Pfarrer Josef-Michael Karber hat die Kirchenmusik einen hohen Stellenwert: «Die Musik ist Bestandteil des Gottesdienstes und bringt das Gebet inniger zum Ausdruck.» Dies komme alleine schon dadurch zum Ausdruck, dass die Eucharistiefeier jeweils mit einem gemeinsamen Lied aller Versammelten eröffnet wird. «Für mich ist Kirchenmusik Betonung, nicht Vertonung der gottesdienstlichen Feier», betont Pfarrer Karber, «weil damit die Harmonie jener Welt zum Klingen gebracht wird, die wir im Gottesdienst schon betreten dürfen. Es darf der Hymnus des Himmels auf Erden erklingen.» Allerdings schränkt der Geistliche ein: «Die kirchenmusikalische Gestaltung der Liturgie darf niemals zu einem Konzert entarten, das durch die Riten der Liturgie unterbrochen oder nur ergänzt wird.» Jeder müsse seinen Dienst an der rechten Stelle in der rechten Weise verrichten – sei es als Kantor, als Organist, als Liturge oder als Glied der gottesdienstlichen Versammlung. Das Singen der versammelten Gemeinde ist ihm sehr wichtig. Um dies zu fördern, gibt es spezielle Kantoren-Gottesdienste, welche vom Organisten zusammen mit dem Kantor gestaltet werden.
«Kirchenmusik an Liebfrauen» heisst auch: Alle Hauptgottesdienste werden vom Organisten auf der grossen Orgel oder dem historischen romantischen Positiv mit Orgelwerken der Weltliteratur ausgestaltet. Dafür verantwortlich ist Gregor Ehrsam. Der 51-Jährige studierte Orgel und Cembalo in Bern und Winterthur. Das Konzertdiplom für Orgel absolvierte er mit Auszeichnung. Meisterkurse sowie Musik- und naturwissenschaftliche Studien runden seine Ausbildung ab. Seit 1991 ist Ehrsam Hauptorganist an der Liebfrauenkirche Zürich. In Zusammenarbeit mit dem «Verein der Kirchenmusikfreunde» betreut er zudem die Reihe «konzert um halb acht im mai». Daneben übt Gregor Ehrsam eine rege Konzerttätigkeit aus.
VIELFÄLTIGE MUSIK
Seit Ende 2008 ist Chorleiter Bernhard Pfammatter für den Aufbau der Vokalmusik an Liebfrauen zuständig. Neben dem Kirchenchor baute Pfammatter auch eine sogenannte Choralschola auf. Das ist ein einstimmiges Ensemble, das zum Singen des gregorianischen Choralamts eingesetzt wird. Weiter hat er ein Vokalensemble aus geschulten Stimmen gegründet: Mit einer Gruppe von 6 bis 20 ausgebildeten Stimmen kann zusätzlich Literatur, welche Pensum und Niveau eines normalen Kirchenchores übersteigen würde, abgedeckt werden. Vielfältige Musik in verschiedenen Formationen und Stilen in Liturgie und Konzert wiedergeben gefällt Pfammatter, der nebst seinem Studium von Gesang, Chorleitung und Schulmusik auch musikwissenschaftliche Forschungen über ältere Musik betrieben hat.
Das musikalische Weihnachtsgeschenk des Liebfrauenchors fand bei den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern grosÂsen Anklang. «Da fühle ich mich direkt im Himmel», meinte denn auch eine jüngere Frau nach der Weihnachtsmesse und fuhr fort: «Hoffentlich können wir diese wunderschöne Kirchenmusik noch lange geniesÂsen.»
CHRISTIAN MURER