Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Evangelium am 5. Februar (Markus 1,29 – 39)

Bei Jesus verweilen

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Als Antwort auf ihre Frage, wo er denn wohne, lud Jesus die ersten Jünger ein: «Kommt und seht.» Er versuchte nicht, einfach mit Worten zu erklären, wer er sei und was er zu tun gedenke. Es genügt also nicht, über Jesus zu reden und Glaubenssätze zu erklären, um tatsächlich auch Glaubensschritte zu tun. Um von ihm zu lernen und ihn zu «erkennen», müssen die Jünger bei ihm verweilen, mit ihm Zeit verbringen und das alltägliche Leben mit ihm teilen.
So geht Jesus mit seinen ersten Jüngern ins Haus des Simon Petrus, ist also dort vorübergehend daheim, nimmt teil am Fami­lienleben. Die Jünger können bei ihm sein. Sie haben sich auf ihn eingelassen und ihn in ihr Leben treten lassen. Sie suchen nicht einen Nutzen von ihm, sondern ihn selber. Sie sprechen wohl mit ihm über die kranke Schwiegermutter des Petrus, bitten ihn aber offensichtlich nicht, sie zu heilen.
Jesus heilt die Schwiegermutter von sich aus und zeigt damit, dass Heilung Geschenk und kein Anrecht ist. Sie ist auch immer Befähigung und Auftrag, nicht Selbstzweck; sie lässt Jesu Auftrag erkennen und ruft in den Dienst. Wer Heilung erfahren hat, lässt sich in den Dienst Gottes und der Menschen stellen.
Auch wenn Jesus gekommen ist, um allen Menschen sein Heil zu schenken, so kann er doch nicht alle Menschen erreichen. Er heilt viele, aber nicht alle. Die Hinwendung zu Jesus muss frei geschehen, zur Nachfolge kann niemand gezwungen werden. Einige wollen nur von seiner Heilkraft profitieren, ohne sich ganz auf ihn einzulassen, ihn ganz anzunehmen und aus dieser Annahme Heil zu erfahren.
Dass Jesus nicht alle zu heilen vermag, kann auch uns heute ein wenig entlasten. Über unsere Gottesdienste, über Radio, TV und Internet, über Zeitschriften und Bücher mögen wir nach wie vor sehr viele Menschen erreichen, aber ob eine Berührung stattfindet, ob sich Menschen verändern und auf Gott einlassen, das liegt nicht in unseren Händen.
Jesus zieht sich an einen einsamen Ort zum Gebet zurück. Der Verkündigungs- und Heilungsdienst ist kräfteraubend. Im «Alltagsgeschäft» kann das Eigentliche leicht aus dem Blickwinkel fallen. Das Verweilen im Zwiegespräch mit dem Vater hilft Jesus, sich wieder auf das Wesentliche seiner Sendung zu besinnen: beim Vater sein, in ihm sich selber finden und sich neu von ihm senden lassen. Auch Jesus ist nicht in seinem eigenen Namen gekommen.
Dann bricht er auf und geht weiter, um auch an anderen Orten zu predigen. Die Heilungswunder sind Mittel der Verkündigung, welche die Autorität Jesu unterstreichen, aber noch nicht deren eigentlichen Inhalt. Entscheidend ist die Verkündigung des Reiches Gottes, das in Jesus Christus angebrochen ist.
Wie die ersten Jünger Jesus hinterherlaufen und wie Jesus mit ihnen Zeit verbringt und an ihrem Familienleben Anteil nimmt, so sollen alle Christinnen und Christen Jesus nachlaufen, um bei ihm zu sein, mit ihm zu verweilen, ihm Anteil am Alltagsleben zu geben. Glaube ist Beziehung und Begegnung – Begegnung, die uns verändert.

ANDREAS RELLSTAB
PFARRADMINISTRATOR IN ZIZERS

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