Rita Inderbitzin
Sie arbeiten in der Bahnhofkirche ohne Tageslicht. Macht Ihnen das nichts aus?
Ich war ein paar Mal in der Bahnhofkirche, bevor ich hier zu arbeiten begann, und wusste, worauf ich mich einlasse. Ich bin in der Freizeit viel draussen. Die Klimaanlage macht mir mehr Mühe als das Licht!
Was haben Sie als neue Bahnhofseelsorgerin verändert?
Was gut ist, muss man nicht ändern. Neu ist, dass ich als Frau hier bin – das wird sehr geschätzt. Seit dem neuen Jahr arbeitet auch die Theologin Edith Arpagaus hier. Nun sind wir im Team genau hälftig Frauen und Männer, katholisch und reformiert. Und im Februar wird die Bahnhofkirche neu gestrichen und es gibt einen neuen Teppich!
Welches war das Highlight oder der Tiefpunkt in Ihrer neuen Arbeit?
Das Highlight ist, zu merken, wie wichtig die Bahnhofseelsorge ist, wie viele Menschen sie kennen und nutzen. Unsere Freiwilligen halten uns den Rücken frei, sind immer da, schauen zur Kapelle, das ist ganz grossartig. Als Tiefpunkt empfinde ich die inneren Rucksäcke, mit denen gewisse Leute unterwegs sind, wie viel Elend, Trauer und schwierige Lebenssituationen sie hierher bringen. Das hat mich tief bewegt und betroffen gemacht.
Wo können Sie diese Rucksäcke wieder ablegen?
Ich schreibe Tagebuch und suche die Stille und Meditation. Beim Velofahren kann ich Probleme abstrampeln, vieles zurücklassen, dabei singe ich und geniesse die Natur. Auch liebe ich das Wasser, schwimme darin oder fahre Boot. Auch Lesen hilft, auf andere Gedanken zu kommen.
BL