Orte lebendiger ÂSeelsorge
Die Dorfkirche San Giorgio in der Tessiner Gemeinde Castro bleibt geschlossen. Bis ihr undichtes Dach geflickt und die dringendsten Renovationsarbeiten angepackt sind, muss die Messe an einem anderen Ort gefeiert werden. Der Umzug fällt nicht allen Pfarreimitgliedern leicht. Viele denken wehmütig an die alten Zeiten zurück, als am Sonntag nach der Messe stundenlang vor der Kirche diskutiert und geplaudert wurde. «Bis heute spielt die Kirche eine wichtige Rolle im Dorfleben», weiss Mario Orsenigo, Präsident der örtlichen Baukommission. Doch das Dörflein mit seinen knapp 60 Pfarreimitgliedern kann das grosse Bauvorhaben nicht alleine stemmen. Damit ihre Kirche auch in Zukunft im Dorf bleibt, benötigen die Bewohner von Castro dringend Hilfe von aussen.
EINE KIRCHE VON WELT
Im äussersten Winkel des Kantons Jura, inmitten von saftigen Wiesen und üppigen Obstgärten, liegt das Dörfchen Bressaucourt. Für ihre Dorfkirche liessen sich die Ajoulots 1894 von einem imposanten Bauwerk inspirieren: der Pariser Basilika Notre-Dame d’Auteuil. Eine Extravaganz, die sich nun bitter rächt: Der weiche Kalkstein kann dem Wetter der Ajoie nicht länger trotzen. Feuchtigkeit kriecht die Wände hoch, der Verputz bröckelt, sogar Unkraut wächst aus der Fassade der Eglise St. Etienne. Die einst beliebte Hochzeitskirche zieht kaum mehr Heiratswillige an. Der katastrophale Zustand der Kirche belastet das Dorf, denn Bressaucourt droht sein Gotteshaus und sein Wahrzeichen zu verlieren. Als sich faustgrosse Steinbrocken aus dem Kirchdach lösen, ist klar: Man muss handeln, und zwar sofort.
GUTE IDEEN GEGEN BRÖCKELNDEN LACK
Wer spendet der Mutter Gottes ein neues Kleid? Wer verhilft Stammvater Jesse zu neuem Glanz? Und wer wird Gönner des Rosenkranzaltars? Die Gommer Gemeinde Münster-Geschinen treibt ihre Kirchensanierung mit unkonventionellen Ideen voran. Denn für die Restaurierung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt mit ihrem prächtigen Hochaltar müssen viele Gönner gewonnen werden. Eine Spenden-Wunschliste soll dabei helfen: Wer sich an der Restaurierung beteiligt, wird zum virtuellen Objekteigentümer und kann sich gezielt für diese Marienfigur oder jenes Kruzifix entscheiden. Doch trotz des grosÂsen Engagements können die umtriebigen Gommer den Millionenbetrag für die Sanierung nicht allein auftreiben. Wer sich so engagiert, hat Solidarität verdient.
Risse in den Wänden, bröckelnde Stukkaturen und Schädlinge im Gebälk – um manche Kirche oder Kapelle ist es nicht gut bestellt. Deshalb setzt sich die Inländische Mission (IM), das schweizerische katholische Solidaritätshilfswerk, seit bald 150 Jahren für den Kirchenerhalt in allen Landesteilen ein. Dabei betreibt sie nicht einfach Denkmalpflege. Vielmehr möchte die IM Kirchen und Kapellen als Orte der lebendigen Seelsorge bewahren. Denn auch in armen Pfarreien sollen die Menschen den Gottesdienst in würdigen Räumen feiern können. Zur Epiphanie 2012 sammelt die IM für Kirchenrenovationsprojekte in Münster (VS), Bressaucourt (JU) und Castro-Acquarossa (TI). Die Schweizer Bischöfe empfehlen das Dreikönigsopfer allen Katholikinnen und Katholiken und danken im Namen der Pfarreien ganz herzlich.
PD/SBK