Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Evangelium zur «Taufe des Herrn» am 8. Januar (Markus 1,7–11)

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«Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich.» (Markus 1,7) Foto: Christoph Wider
«Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich.» (Markus 1,7) Foto: Christoph Wider

Es ist eines der bekanntesten Zitate aus den Evangelien: «Nach mir kommt der, der viel mächtiger ist als ich. Ich bin nicht gut genug, mich zu bücken und ihm die Schuhe aufzubinden.» Von Johannes dem Täufer stammen diese demütigen Worte. Als er sie aussprach, war er gerade auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Johannes war Kult!
Aus ganz Judäa strömten die Menschen zu ihm, um öffentlich ihre Sünden zu bekennen und sich taufen zu lassen. Die «ganze Einwohnerschaft Jerusalems» pilgerte zu ihm an den Jordan. Das Markus-Evangelium beschränkt sich bei seiner Schilderung dennoch auf einen kurzen Chronikeintrag. Die anderen Evangelien dagegen porträtieren Johannes detaillierter als einen äusserst provokativen Aussteiger und unbequemen Mahnprediger. In ein Gewand aus Kamelhaar gehüllt, soll er sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt haben. Wenn die Menschen kamen, dann hat er sie bevorzugt mit wüsten Beschimpfungen empfangen: Für eine Schlangenbrut wie sie halte Gott die Axt schon bereit.
Dennoch bildet sich um Johannes ein Jüngerkreis, und er wird schliesslich so populär, dass viele in ihm den so lange ersehnten Messias sehen. Aber Johannes wiegelt die Ansprüche in allen vier Evangelien mit dem zitierten Ausspruch ab. Und dann kommt tatsächlich derjenige, auf den Johannes verweisen will, der Mann aus Galiläa: Jesus von Nazaret. Als Johannes ihn tauft, verkündet eine Stimme vom Himmel herab: «Du bist mein Sohn, dir gilt meine Liebe, dich habe ich erwählt.»
Sofort bildet sich nun um Jesus ein Jüngerkreis. Im Johannes-Evangelium wird berichtet, wie der Täufer zwei seiner Gefolgsleute an Jesus abtritt. Johannes tauft zwar weiterhin, aber er sagt auch: «Sein Einfluss muss zunehmen, meiner muss abnehmen.» Dennoch bleibt er ein einflussreicher Mann, so unbequem, dass er schliesslich von Herodes gefangen gesetzt und enthauptet wird.
In allen vier Evangelien wird – nicht zuletzt durch Parallelen zwischen Johannes und Jesus – deutlich gemacht, dass Johannes ein grosser Prophet ist – Jesus aber der Messias, der Christus, der Sohn Gottes.
Heute kennt man von Johannes dem Täufer vor allem dieses eine Zitat. Es wird gerne auch von Christen verwendet, die damit ihre eigene Demut zum Ausdruck bringen wollen. Nicht selten geht ihnen aber der heilige Atem aus, sobald sie ebenso konsequent wie Johannes jeden Anspruch auf Ehrerbietung aufgeben müssen, sobald das Lippenbekenntnis in tatsächlichen Machtverlust übergeht. Man nehme deshalb einen Demütigen beim Wort – weil erst dann sichtbar wird, wie ernst es ihm mit der Demut ist.
Noch anspruchsvoller wird Demut, wenn wir einem Nachfolger des Johannes begegnen, unschicklich gewandet und seltsam genährt. Ein Freak, der uns mit unflätigen Tiraden eindeckt und radikale Umkehr verlangt. Sind wir dann immer noch bereit, ihn als grossen Propheten zu anerkennen? Immerhin hat Jesus Christus vom Täufer gesagt: «Johannes ist bedeutender als irgendein anderer Mensch, der je gelebt hat.»

THOMAS BINOTTO

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