Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2011 forum Nr. 9, 2011 «Was ist dir wichtig?»
Firmweg für Jugendliche

«Was ist dir wichtig?»

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Der Firmkurs für Jugendliche ab 17 holt die Jungen in ihrer Lebenswelt ab und begleitet sie auf dem Weg zu einem erwachsenen Glauben. Die meisten Zürcher Pfarreien haben sich diesem ­Modell angeschlossen.

Gut 180 Jugendliche aus zwölf Pfarreien im Kanton Zürich setzen sich angeregt schwatzend im Saal des Pfarreizentrums Liebfrauen in Gruppen auf den Boden. Auf der Leinwand blinkt, unterlegt mit Musik: «Was ist dir wichtig?» Mögliche Antworten folgen: «Freizeit und Fun – Sport und Gesundheit – Zukunft und Arbeit – Aussehen und Kleidung – Flucht und Sucht – Sich einsetzen für Ideale...» ... bis zum Schluss das Gesicht von Jesus zu sehen ist, bestehend aus Porträts von verschiedenen Menschen. «Im Zentrum des heutigen Abends steht die Begegnung», begrüsst Markus Holzmann am 25. März die Firmanden zum ersten der beiden Firmmeetings, welche die Jugendseelsorge alljährlich anbietet. In den anschlies-senden Workshops werden unter anderen ein Aussteiger aus einer Sekte, Pater Andri und Sr. Ida, ein junger Musiker, der eine Gaunerkariere hinter sich hat und heute Christ ist, Leute von der Behindertenseelsorge, vom Aidspfarramt oder von der Jugendkirche «jenseits im Viadukt» mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen. «Auch ihr habt viele Fähigkeiten, mit denen ihr etwas bewirken könnt», betont Holzmann. Der Firmweg soll den Jugendlichen helfen, diese Fähigkeiten zu entdecken und die Kraft Gottes und die Gemeinschaft, die sie darin unterstützen, zu erfahren.
Vor bald 28 Jahren begannen die ersten Pfarreien im Kanton Zürich, das Firmalter zu erhöhen. «Heute sind es 61 Pfarreien, welche den Firmweg mit 17- oder 18 jährigen gehen, 30 Pfarreien firmen in der dritten Oberstufe. Mit 12 Jahren – wie früher – wird praktisch niemand mehr gefirmt», erklärt Markus Holzmann. «Neben der Lehre ist es schon schwierig, noch Zeit für den Firmweg zu finden», meint Yves Stoll aus Pfäffikon. «Während der Schulzeit wäre es leichter gewesen.» Doch er räumt ein: «Die Themen, die wir behandeln, hätten wir damals kaum verstanden!» Noemi Calvacchia ergänzt: «Ich habe heute einen anderen Bezug zur Religion als früher.» Und Nicole Künzli aus Embrach schätzt es, dank dem Firmkurs Kollegen von früher wieder zu sehen.

ANSPRUCHSVOLLER FIRMWEG
Generalvikar Josef Annen war einer der Pioniere des Firmmodells «Firmung ab 17». An der Tagung «Standortbestimmung Firmpastoral» vom 12. März sagte er vor gut 50 Seelsorgenden: «Die Ängste der Eltern von damals sind bis heute die gleichen geblieben: Wird sich mein Sohn, meine Tochter, noch firmen lassen? Haben sie überhaupt noch Zeit?» Die Zahlen der Firmanden seien im neuen Modell jedoch nicht oder nur sehr unbedeutend zurückgegangen, hält Markus Holzmann fest. «Es ist aber wichtig, dass die Jugendlichen im Alter von 12–16 Jahren, also vor dem Firmkurs, regelmässigen Kontakt zur Pfarrei aufbauen und dort positive Erfahrungen  machen können.» Der Firmweg biete die Chance, junge Erwachsene, die oft in den Pfarreien kaum mehr präsent seien, im Übergang vom Kinder- zum Erwachsenenglauben zu begleiten und mit ihnen ­einen Glaubensweg zu gehen. «18 jährige ­interessieren sich vermehrt für religiöse Themen», weiss der Jugendseelsorger aus Erfahrung. «Gefirmte sind zudem oftmals bereit, sich in den folgenden Jahren als FirmbegleiterIn zu engagieren.» Dadurch seien die Firmungen zu einer Feier der ganzen Pfarreigemeinschaft geworden, erinnert sich Annen.
Auch in Firmgruppen mit Jugendlichen ab 17 gibt es solche, die am Schluss «einfach froh sind, dass alles vorüber ist», wie Annen sagte. Auch Jugendliche, die sich für den Firmweg selber entscheiden, haben oft Mühe, sich an abgemachte Daten zu halten, oder wollen die Firmung nur wegen dem schönen Fest. «Das Firmmodell ab 17/18 ist inhaltlich wie auch personell sehr anspruchsvoll und aufwändig. Für kleine und finanzschwächere Pfarreien ist es fast unmöglich, neben all den anderen seelsorgerlichen Aufgaben einen qualifizierten Firmkurs anzubieten», ist sich Markus Holzmann bewusst. «Hier bieten sich im Rahmen der Seelsorgeräume neue Möglichkeiten: Geeignete Mitarbeitende bieten für alle Jungen des Seelsorgeraumes gemeinsam einen Firmkurs an», unterstreicht Generalvikar Annen.
Im Pfarreisaal Liebfrauen gruppieren sich die Jugendlichen zu ihren favorisierten Workshops. Warum hat sich Simone Müller von Oberrieden für den Firmweg entschieden? «Das kann ich nicht einmal sagen», meint die junge Frau. «Ich will diesen Weg gehen. Den tiefen Grund finde ich wohl erst unterwegs.» Auch Florence Sigrist ist überzeugt: «Ich fühle mich zum Glauben hingezogen und will mich auch religiös binden.» Dann holen sich die beiden ihr Sandwich und beeilen sich, zu ihrer Gruppe zu gelangen.

BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER

www.jugendseelsorge.ch

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Am Firmmeeting lernen die Jugendlichen Menschen kennen, die sich für andere einsetzen. FOTO: BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER
Am Firmmeeting lernen die Jugendlichen Menschen kennen, die sich für andere einsetzen. FOTO: BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER