Halte durch!
Das holländische Nimwegen ist das Mekka aller Sportwanderer. Jedes Jahr im Juli treffen sich dort Zehntausende zum Vier-Tage-Marsch. Sechs Mal habe ich mich selber der Tortur unterzogen und bin mit einer Gruppe der Schweizer Armee 160 Kilometer weit marschiert. Doch warum erzähle ich das? Erstens stammt der heilige Petrus Canisius aus dem damals deutschen Nimwegen und zweitens scheinen die Menschen dieser Stadt schon immer eine besondere Begabung zum Marschieren gehabt zu haben. Geschätzte 58 000 Kilometer soll Canisius während seiner zahlreichen Reisen quer durch Europa zurückgelegt haben, das meiste davon zu Fuss und unermüdlich angetrieben von seinem Leitmotiv, das er bereits als 17-Jähriger auf sein Schulheft geschrieben hatte: «Persevera» – Halte durch, sei beharrlich!
Petrus Canisius kam am 8. Mai 1521 als Sohn des Bürgermeisters von Nimwegen zur Welt. Zwei Ereignisse dieses Jahres sollten sein späteres Leben prägen. An seinem Geburtstag wurde in Worms die Reichsacht über Martin Luther verhängt und im gleichen Jahr verursachte eine Kanonenkugel die Wende im Leben des Ignatius von Loyola, des späteren Gründers des Jesuitenordens. In diesen Orden trat Canisius 1543 als erster Deutscher ein. Schon damals war er von der tiefen Überzeugung bewegt, dass seine Lebensaufgabe der Glaubensverkündigung in Deutschland galt. Seine erste Wirkungsstätte war Köln, wo er schon 1544 als erster Jesuit an einer deutschen Universität Vorlesungen gab, und wo er 1546 zum Priester geweiht wurde. In der Folge wirkte er neben einem kurzen Abstecher nach Sizilien vor allem in Ingolstadt, Wien und Augsburg.
Wie sein Ordensoberer Ignatius war Canisius überzeugt, dass das Erfolgsrezept für die Gegenreformation nicht im polemischen Kampf gegen die Reformierten liegt, sondern in der positiven Reform der Kirche von innen her. Und dieser Reform galt sein ganzes umfangreiches Schaffen. Er reformierte das Schulwesen, gründete Kollegien, schrieb unzählige Bücher, betätigte sich als Prediger und Seelsorger, kümmerte sich um Kranke und Gefangene, war Berater von Papst, Kaiser und Fürsten und reiste als Theologe zum Konzil von Trient und zum Religionsgespräch zu Worms. Berühmt ist bis heute der sogenannte «Canisi», der Katechismus, den Canisius in drei Versionen herausgegeben hatte, einer «Grossen», einer «Mittleren» für die Schule und einer «Kleinsten» für die einfachen Leute.
1580 kam Canisius in die Schweiz nach Fribourg, wo er die letzten 17 Jahre seines Lebens verbrachte. Sofort machte er sich an die Errichtung des Jesuitenkollegs St. Michel. Wegen der dazu benötigten Schulbücher, aber auch im Blick auf die Verbreitung seiner eigenen Bücher, brachte er den Stadtrat dazu, einen Buchdrucker nach Fribourg zu holen. Die grosse Sympathie, die Canisius für die Schweiz empfand, fand ihren Ausdruck in der Abfassung zahlreicher Biographien von Schweizer Heiligen, von Niklaus von Flüe bis zum Heiligen Beat. Am 21. Dezember 1597 starb Canisius nach langer Krankheit. Sein Grab liegt heute unter dem Hochaltar der ehemaligen Kollegskirche St. Michel.
Petrus Canisius wurde 1925 heiliggesprochen und wegen seines grossen schriftstellerischen Schaffens zum Kirchenlehrer ernannt. Obwohl er einer der wichtigsten Vertreter der Gegenreformation war, hat er sich nie durch das «Kämpfen gegen» als vielmehr durch das «Engagement für» definiert. Mit dieser unpolemischen, durchaus kritischen aber positiv aufbauenden Haltung sollte er gerade heute ein Vorbild sein für unser aller Engagement und Aushalten in der Kirche, aber auch für meine eigene Arbeit im Katholischen Akademikerhaus aki, das unter seinem Patronat steht.
BEAT ALTENBACH SJ