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Isidor von Sevilla – 4. April

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Isidor von Sevilla. Attribut: Buch, Bischofsstab. Kategorie: Kirchenlehrer. Gedenktag: 4. April.

Damals gab es noch richtige Universalgelehrte. Nicht so wie heute, wo das Fachidiotentum blüht. Isidor von Sevilla war so was wie das Wikipedia der Spätantike. Er gilt als letzter abendländischer Kirchenvater und war einer der bedeutendsten Schriftsteller seiner Zeit. Er sammelte das Wissen der Antike, ordnete es und machte es seinen Zeitgenossen verfügbar. Wie kaum ein anderer prägte er mit seinen Büchern das Geistesleben des Mittelalters. Zu seinen wichtigsten Werken gehören nebst einer zwanzigbändigen Enzyklopädie ein Lehrbuch der christlichen Glaubens- und Sittenlehre und eine Geschichte Spaniens.
Isidor wurde um 560 als jüngster von vier Kindern in eine reiche spanische Familie aus Cartagena hinein geboren. Als sein Vater, der römischer Militärpräfekt war, aus politischen Gründen Cartagena verlassen musste, zog die Familie 543 in das westgotische Sevilla. Da die Eltern früh starben, übernahm Isidors älterer Bruder Leander seine Erziehung. Leander wurde 578 Erzbischof von Sevilla. Nach seinem Tod um 600 übernahm Isidor von ihm das Bischofsamt und setzte sich mit ganzer Kraft für das Gedeihen der Kirche Spaniens ein. Für eine bessere Ausbildung des Klerus errichtete er Schulen und Bibliotheken, er steigerte die Effizienz der Klöster und berief mehrere Bischofssynoden und Konzile ein.
Als Isidor am 4. April 636 in Sevilla starb, befand sich das Westgotenreich noch in seiner Blütezeit. Doch nur 75 Jahre später erreichte das Heer der Berber Gibraltar und es begann die Islamische Expansion. Al-Andalus hiess nun der muslimisch besetzte Teil Spaniens und es sollte über sieben Jahrhunderte dauern, bis die Iberische Halbinsel wieder ganz in christlicher Hand war. Dies brachte das Problem mit sich, dass ab dem Jahr 712 die arabischen Eroberer Isidors Grab in Sevilla hüteten. Erst im 11. Jahrhundert kam ein Teil seiner Gebeine nach Léon. Und das kam so: 1063 schickte Ferdinand I., der sich als König des nordspanischen Léon im Rahmen der «Reconquista» im Kampf gegen die muslimische Besatzung engagierte, zwei Bischöfe nach Sevilla mit dem Auftrag, die Gebeine der heiligen Justa aus dem muslimischen Sevilla ins christliche Léon zu bringen. Doch als die Bischöfe in Sevilla ankamen, waren Justas Knochen nirgendwo zu finden. Um nicht unverrichteter Dinge wieder abreisen zu müssen, führten sie – sozusagen als Ersatz – die Reliquien des Isidor nach Léon. Beim Abschied soll der Emir von Sevilla Folgendes gesagt haben: «Nun gehst du fort von hier, verehrungswürdiger Isidor. Dennoch wusstest du, wie sehr deine auch meine Sache war. Ich flehe dich an, dass du immer meiner gedenkest.»
Der Reliquienschrein liegt bis heute in der Schatzkammer der Isidor-Kirche von Léon – unter dem berühmten Pantheon der Könige von Kastilien und Léon. Doch auch in Sevilla wird Isidor verehrt, der Hauptteil seiner Gebeine blieb nämlich dort. 1598 sprach ihn Papst Clemens VIII. heilig und 1722 erhob ihn Papst Benedikt XIII. zum Kirchenlehrer.
Und damit niemand auf die Idee kommt, Isidor von Sevilla sei ein verstaubter Heiliger und nicht mehr aktuell: Im Jahr 2001 wurde der Universalgelehrte als Schutzpatron des Internets vorgeschlagen. Warum auch nicht? Schliesslich erfreut sich sowohl das Fernsehen mit Klara von Assisi wie auch das Radio mit dem Erzengel Gabriel eines Schutzheiligen. Im Vatikan will man von einem Internet-Heiligen bis jetzt allerdings nichts wissen. Trotzdem ist Isidor modern. Nach ihm wurde nämlich ein Preis benannt, mit dem Shareware-Programme prämiert werden: der Isidor-Award.

JUDITH HARDEGGER

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