Einen Weg in die Zukunft finden
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Nach dem Gottesdienst verweilte der neue Weihbischof im Gespräch mit den Gläubigen. FOTO: CHRISTIAN MURER
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Mehrere hundert Gläubige, der ehemalige Weihbischof Peter Henrici, konzelebrierende Priester sowie Vertreter von Synodalrat und Synode der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, der reformierten Schwesterkirche und von anderen Glaubensgemeinschaften nahmen am Amtsantrittsgottesdienst von Weihbischof Marian Eleganti und Generalvikar Josef Annen in der Zürcher Liebfrauenkirche teil.
«Zwischen kirchlichen und politischen Amtsträgern gibt es einige Gemeinsamkeiten», meinte der Zürcher Regierungsrat Markus Notter in seinem Grusswort. Wie und weshalb man zu einem Amt komme, sei in beiden Fällen nicht immer klar. Wichtig sei deshalb, wie man es ausübe: «Es geht um den Dienst am Menschen.» Der Kanton Zürich sei für den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen zuständig und verfolge die Entwicklungen beider grossen Kirchen in Zürich aufmerksam. Für die Führung ihrer neuen Ämter wünschte Notter «eine glückliche Hand». Mit der Co-Leitung des Generalvikariates durch Weihbischof Marian Eleganti und Generalvikar Josef Annen komme der Katholischen Kirche im Kanton Zürich einmal mehr eine Pionierfunktion zu, sagte Benno Schnüriger in der Liebfrauenkirche. Der Präsident des Zürcher Synodalrates hiess die beiden Amtsträger herzlich willkommen und bot im Namen der Körperschaft die bestmögliche Zusammenarbeit und Unterstützung an. Er zitierte im Sinne eines Stellenbeschriebs für Bischöfe und Generalvikare aus dem «Direktorium für den Hirtendienst der Bischöfe» (2004): «Aufgrund der diakonalen Dimension des Amtes soll der Bischof alle autoritären Verhaltensweisen bei der Ausübung seiner Vollmacht vermeiden und bereit sein, die Gläubigen anzuhören sowie ihre Mitarbeit und ihren Rat zu suchen.»
In seiner Predigt zitierte Weihbischof Marian die Philosophen Peter Sloterdijk und Pascal, den Theologen Romano Guardini und den deutschen Mystiker Meister Eckhart. Es ging um das Spannungsfeld zwischen dem falschen Ego und dem wahren Selbst sowie um die existentielle Erfahrung, dass es in der Nähe Gottes möglich wird, «in der Selbstlosigkeit von sich wegzugehen und so in
das wesenhafte, wahre Selbst hineinzuÂwachsen».
ÖKUMENISCHE ZEICHEN UND WUNDER
Peter Dettwiler, Ökumene-Beauftragter der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, begrüsste in Vertretung des Kirchenratspräsidenten die beiden neuen Amtsträger. Er beschrieb einen Traum: Die reformierte Kirche stellt den afrikanischen, eritreisch-orthodoxen Christen eine Kirche zur Verfügung. Der Weihbischof erhält mit Unterstützung des Churer Bischofs und dem Segen des reformierten Kirchenrates beim Vatikan eine Spezialerlaubnis für eine regelmässige ökumenische Eucharistiefeier. In einer Moschee mit zwei Minaretten finden gut 20 islamische Gemeinschaften zusammen, um gemeinsam zu feiern. Und das alles in der Stadt Zürich. «Es geschehen Zeichen und Wunder», war Dettwilers Kommentar zu diesem Traum.
Er wünschte Weihbischof und Generalvikar die Fantasie des Heiligen Geistes auch für ungewöhnliche Schritte. Diesen Rat setzte Marian Eleganti am Ende des Gottesdienstes gleich um: Mit Gitarre und Mundharmonika sang er ein Lied zum Gleichnis des verlorenen Sohnes. Dieser Auftritt wurde mit herzlichem Applaus aufgenommen.
SPONTAN, FEIERLICH, UNKONVENTIONELL
«Spontan, feierlich – und mit dem unkonventionellen Lied hat der Weihbischof die Brücke zu den Jugendlichen geschlagen», meinte eine Pfarreiassistentin nach dem Gottesdienst zu der Feier. Dies bestätigte eine junge Frau aus dem Chor der Liebfrauenkirche, welcher den Gottesdienst mit gestaltet hatte: «Unser Leben ist oft oberflächlich. Die Predigt war eine Einladung, das wahre Leben, das Gott für uns bereithält, zu entdecken.» Zwei junge Männer haben den Weihbischof nicht so erlebt, «wie er in den Medien gezeichnet wurde». Im Gottesdienst seien Gläubige verschiedener Richtungen angesprochen und einbezogen worden. «Ich bin zuversichtlich, dass wir mit Weihbischof Marian Eleganti einen Weg in die Zukunft finden», meinte auch Angelica Venzin, Mitglied der Geschäftsleitung der Zürcher Synode. «Er wird die Vorteile unseres dualen Systems kennen und schätzen lernen.» Sie habe ihn bereits bei verschiedenen Gelegenheiten als einen Menschen kennen gelernt, der zuhören könne und offen sei. «Miteinander werden wir die Kirche im Kanton Zürich lebendig und glaubwürdig weiter bringen», ist sie überzeugt.
BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER