Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Gedanke zum Hochfest Ostern

Christus ist auferstanden

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«Christus ist erstanden» rufen die Priester der christlichen Kirchen des Ostens in der Osternacht den Gläubigen zu. «Er ist wahrhaft auferstanden» antwortet das Volk mit kräftiger Stimme. Der Freudenruf «Christus ist erstanden» sprengt die Kirchenmauern, er hallt durch  Gassen und Strassen, erfüllt Häuser und Wohnungen. Wie in Zürich die FCZ-Fans  mit ihrem Slogan die Bahnhofhalle füllen, so skandieren die Christen des Orients in der Osterzeit ihren Siegesruf in die Welt hinaus. 

Dieses Jahr fallen die Ostertermine von Ost- und Westkirche zusammen. Die östlichen und westlichen Kirchen feiern gemeinsam Ostern. Jede Kirche feiert in ihrer Tradition. «Christus ist erstanden von der Marter alle, des solln wir alle froh sein», so singen wir in einem alten Osterlied. Aber es ist weniger die Art des westlichen Menschen, den Sieg Christi über Sterben und Tod demonstrativ auf Strassen und Plätze zu tragen. Doch es gibt genug andere Möglichkeiten, den Osterglauben öffentlich zu bekunden. 

Eine Möglichkeit ist die aktuelle Debatte um die organisierte Suizidbeihilfe. Organisationen wie Exit und Dignitas bringen es an den Tag: Nicht wenige Menschen tragen sich mit der Absicht, im Falle schwerer Krankheit ihr Leben durch Suizid zu beenden. Der Gründe zu diesem Schritt sind viele. Sie reichen von der Angst, im Sterben die Selbstbestimmung zu verlieren, bis zum Willen, anderen nicht zur Last zu fallen. Mittlerweile ruft die organisierte Hilfe zur Selbsttötung auch den Gesetzgeber auf den Plan. Der Bundesrat hat eine Vernehmlassung zur Gesetzesänderung in die Wege geleitet. Es geht um zentrale Verfassungsgüter wie Lebensschutz, Selbstbestimmung und Würde des Menschen. Noch ist nicht klar, ob es zu einer gesetzlichen Neuregelung kommen wird und wie diese allenfalls lauten wird. Aber klar ist schon heute: Entscheidend ist nicht nur, was gesetzlich erlaubt ist, sondern welche Einstellung zum Sterben gepflegt wird. Wer glaubt: «Christus ist erstanden. Er ist wahrhaft auferstanden», der hat eine echte Alternative zu den Angeboten von Exit und Dignitas.
Die christliche Lebensüberzeugung heisst nicht: Du musst dich im Sterben um deine Selbstbestimmung und Würde sorgen. Sie lautet vielmehr: Du bist in allen Phasen deines Lebens, ganz besonders in den Tagen schwerer Krankheit und in den Stunden des Sterbens, von einer absoluten Liebe gehalten. Gott liebt dich und du hast eine Würde, die dir niemand nehmen kann. Das ist die Botschaft von Ostern. Diese Bejahung deines Lebens macht es dir möglich, dich im Sterben mit allen deinen Ängsten Gott anzuvertrauen. Er gibt dir Würde, auch wo du nicht mehr über dich selbst bestimmen kannst, und schenkt dir Hoffnung über den Tod hinaus. Der Glaube an Jesus Christus, der gekreuzigt, gestorben und auferstanden ist, befreit dich von der Gefahr der Selbstbestimmungspanik angesichts von Sterben und Tod und entlässt dich in eine Liebe, die den Tod besiegt. Jesus hat mit uns die Angst vor dem Sterben geteilt und ist mit uns solidarisch geworden bis in den Tod. Diese Solidarität ist uns auch Antrieb, den Sterbenden die bestmögliche medizinische und pflegerische Hilfe zu geben und ihnen unsere Nähe zu schenken. Der Osterglaube bewährt sich im selbstlosen Einsatz für ein menschenwürdiges Leben bis in den Tod hinein.


JOSEF ANNEN, GENERALVIKAR

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