Liebe Leserin, lieber Leser
Die aus dem Mittelalter stammenden Passionsspiele sind eine dramatische Inszenierung des Leidens und Sterbens Jesu Christi nach den Evangelien. Oft sind sie als mehrtägige Aufführungen unter Mitwirkung von zahlreichen Schauspielerinnen und Schauspielern angelegt. Verbreitet sind sie vor allem in den katholisch geprägten Regionen Bayerns und Österreichs. Das wohl bekannteste findet alle zehn Jahre in Oberammergau statt, doch wird auch in Saarlouis seit einigen Jahren die «Via Crucis» Âaufgeführt. Einen neuen Weg beschreitet das Passionsspiel von Kirchschlag, in dem die Auferstehung Christi das zentrale Geschehen darstellt.
Die Tradition des Passionsspiels auch in einer reformierten Gegend aufleben lassen möchte man im Seelsorgeraum Dübendorf-Fällenden-Schwerzenbach. Seit Herbst 2008 befasst sich ein Team um Pfarrer Thomas Meli und Regisseur Stephan Lauffer mit dem Projekt «Passionsspiel 2010». Am 25. Oktober letzten Jahres signalisierten bunte, in den Himmel aufsteigende Ballone den eigentlichen Startschuss. Seither arbeiten über 130 Personen vor und hinter den Kulissen auf die drei Aufführungen in der Karwoche hin. Der Probenaufwand ist enorm, mindestens ebenso gross jedoch ist die Begeisterung der Beteiligten. Zahlreiche Spenden in finanzieller oder materieller Form sowie die Kollekte anlässlich der Theaterabende ermöglichen die selbsttragende Finanzierung des Projektes. «Ich möchte mit dem Passionsspiel Ostern, das eigentliche Hauptfest der Christen, aufwerten», erklärt Pfarrer Thomas Meli. «Und ich bin überzeugt davon, dass unser Spiel dazu beiträgt, die Kirche in der Öffentlichkeit in ein positives Licht zu stellen.» Auch nach 2000 Jahren hat die Passionsgeschichte nichts von ihrer Aktualität eingebüsst. Thomas Meli: «Leid, Gewalt, Machtgebaren, aber auch Sterben sind Themen, die uns auch heute noch beschäftigen. Den Weg zum Kreuz gehen Menschen Tag für Tag – aber wir haben die Hoffnung, dass wir durch das Kreuz des Karfreitags hindurchgehen können zum Leben des Ostermorgens.»
PIA STADLER