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Wie spielt man Jesus?
forum: Herr Fürer, wie fühlen Sie sich als Jesus? MartinFürer: Ich bin im Moment noch nicht ganz eins mit meiner Rolle. Dies aus dem einfachen Grund, dass zurzeit mein Beruf als Primarlehrer und all die andern Dinge, die zu tun sind, neben dem Theater noch etwas zu viel Zeit einnehmen. Als Jesus fühle ich mich noch unsicher. Einen Monat vor der Premiere habe ich noch nicht die abschliesÂsende Art gefunden, die Rolle zu spielen. Aber ich bin zuversichtlich, dass das Stück ein grosser Erfolg wird.
Wie religiös muss man sein, um diese Rolle spielen zu können? Ist denn Religiosität messbar? Ich bezeichne mich als religiös. Aber was heisst das jetzt?
Identifizieren Sie sich mit der Figur? Ich glaube, jeder von uns identifiziert sich auf die eine oder andere Art mit Jesus. Und auch mit anderen archetypischen Figuren wie Judas oder Maria Magdalena. Wir alle haben Teile dieser Personen in uns. Natürlich gilt das auch für mich. Wo ich genau Überschneidungen mit oder Unterschiede zu Jesus erkenne, wird mir immer klarer. Ich empfinde die Arbeit am Stück und in dieser besonderen Rolle als enorm spannend, auch in persönlicher Hinsicht.
Ist dies Ihre erste Theaterrolle? Ich habe schon in vielen grösseren und kleineren Produktionen mitgespielt. Das Schönste war, mit einigen Freunden eine eigene Theatergruppe zu gründen, die sich inzwischen leider aufgelöst hat. Jesus ist jedoch sicher die speziellste und schwierigste Rolle, die ich je gespielt habe. Eine Herausforderung, die ich gerne annehme.
Ihre Erfahrungen? Dass alle zu wissen scheinen, wie Jesus war. Und dass die Sichtweisen differieren. Das macht es für mich nicht einfacher. Aber ich liebe das Theater grundsätzlich als Medium. Da sind mir alle Erfahrungen willkommen.
... und Maria Magdalena?
forum: Frau Hollinger, was ist es für ein Gefühl, Maria Magdalena zu spielen? MirjamHollinger: Ein sehr gutes. Ich habe mich mit meiner Rolle auseinandergesetzt und eine Biografie von Maria Magdalena gelesen. Sie war eine spannende Frau. Teilweise erkenne ich mich selber in dieser Rolle, und wiederum gibt es Momente, da ist sie mir völlig fremd. Jedoch fühle ich mich mittlerweile wohl und vertraut in dieser Rolle.
Wie religiös muss man für diese Rolle sein? Ich denke, es wäre schwierig, sich ganz in die Rolle hingeben zu können, ohne reliÂgiös und mit dem biblischen Hintergrund des Christentums vertraut zu sein. Ich selbst bin als Tochter eines Diakons in Pfarrhäusern aufgewachsen. Das Kirchenjahr mit den verschiedenen Kirchenfesten ist mir sehr vertraut. Die Karwoche war bei uns stets eine besondere Zeit. Wir haben das Pascha-Mahl gefeiert und die Zeit bis Ostern ganz bewusst gelebt. Die Passionsgeschichte ist für mich eine der eindrücklichsten Passagen der Bibel. Diese Mischung von Trauer, Wut, Verzweiflung, Hass, Liebe, Zorn, Freude und schliesslich die Auferstehung an Ostern. Aus dieser Faszination heraus habe ich mich fürs Passionsspiel gemeldet.
Welche Erfahrungen haben Sie bis jetzt gemacht? Es ist schön, den Glauben einmal so zu erleben und mitzugestalten. Die Zusammenarbeit mit den verschiedensten Menschen ist sehr bereichernd. Alle haben wir einen unterschiedlichen religiösen Background, unsere Standpunkte differieren zum Teil, und trotzdem harmonieren wir als Team. Auch die grossen Altersunterschiede und die unterschiedliche Bühnenerfahrung wirken sich nicht negativ aus.
Ist dies Ihre erste Theaterrolle? Das erste Mal stand ich mit neun Jahren auf der Bühne, seither spiele ich regelmässig Theater. Theaterspielen ist zusammen mit Sport mein Ausgleich zum Beruf als Krankenschwester, der mir doch oft schwere Momente bringt. Für ein paar Stunden abtauchen vom Alltag und mit den unterschiedlichsten Menschen eine andere Wirklichkeit schaffen, das ist es, was mich am Theaterspielen reizt.