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Sie sind hier: Startseite Archiv 2010 forum Nr. 7, 2010 Kistenweise Hilfe
20 Jahre «Aktion Osteuropa»

Kistenweise Hilfe

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Freiwillige Helfer beim Verladen der Hilfsgüter. FOTO: ZVG
145 Lastzüge voller Hilfsgüter und eine Million Spendenfranken haben in 20 Jahren den Weg nach Osteuropa gefunden. Begonnen aus einem spontanen Impuls, wuchs die Hilfe «Schritt für Schritt», wie Hans und Marieluise Giezendanner erzählen.

«Ein Zeitungsartikel über die Situation in Rumänien nach der Wende 1989 hat uns erschüttert», erzählt Marieluise Giezendanner. «Wir fühlten uns hilflos angesichts der grossen Not, die zutage trat.» Doch dann boten sich dem Ehepaar Gelegenheiten zum Helfen: Sie erfuhren von einem Lastwagen, der nach Rumänien fuhr und gaben diesem gesammelte Kleider mit. «Dem Dank aus Rumänien war eine Liste von 17 bedürftigen Pfarreien aus dem Raum Suceava beigefügt», fährt Hans Giezendanner fort. «Wie sollten wir nun diesen helfen?» Kurz darauf fuhr das Hilfswerk Christian Solidarity Interna­tional nach Rumänien und stellte einen halben LKW-Laderaum für 3000 Franken zur Verfügung. Giezendanners packten die Gelegenheit. «Wir baten 20 Zürcher Pfarreien um Hilfe. Es kamen Spenden für zweieinhalb Lastzüge zusammen!» Für das Paar aus dem Zürcher Oberland ein Zeichen des Himmels, dass sie weiterhelfen sollten. Für die Lagerung des zusätzlichen Sammelgutes fand sich Lagerraum in der Pfarrei Tann. Und: «Pfarrer Gamma aus Bäretswil hat kurz vor seinem Tod Geld für diesen Transport gesammelt und 8000 Franken bekommen – zusammen mit dem Beitrag der Pfarreien so viel, wie der Transport kostete.»
Und so ging es Jahr für Jahr weiter: Wo sich eine Not, ein Bedürfnis zeigte, packten die Giezendanners an und fanden immer die nötigen Helferinnen und Helfer, Pfarreien, die grosszügig sammelten, Freiwillige, Übersetzer, verlässliche Partner in den östlichen Ländern, die für eine gerechte Verteilung der Hilfsgüter sorgten, zumeist Ortspfarrer. «Zu Beginn hatten wir keine Ahnung von all den nötigen Formalitäten und den Kosten, die auf uns zukamen», schmunzelt Marieluise Giezendanner rückblickend. Wie oft gab es Wartezeiten mit Kontrollen am Zoll, wie oft kam ein Lastwagen nicht rechtzeitig, weil er irgendwo im Schnee stecken blieb, wie oft konnte man beinahe nicht die notwendigen Erlaubnisse und Papiere für die Transporte bekommen – tausendundeine Geschichte könnte das Ehepaar dazu erzählen. «Doch immer kamen unsere Güter am richtigen Ort an.» Auf mehreren Reisen haben sich die beiden davon selber überzeugt.

NEUANFANG ERMÖGLICHT
Bis 1995 fuhren insgesamt 26 Lastzüge mit Sammelgütern aus Zürcher Pfarreien nach Rumänien. Eine Käserei und ein Kinderheim wurden unterstützt, in verschiedenen Pfarreien Hilfsgüter an die Ärmsten verteilt. Zum Schluss waren die Bewilligungen für die Transporte kaum mehr zu erhalten. «Das war ein Zeichen, um anderswo zu helfen», erkannten Giezendanners. Bis ins Jahr 2000 fuhren 18 Lastzüge ins ehemalige Kriegsgebiet von Bosnien. Neben Kleidern und Schuhen waren sie auch mit nützlichen Haushaltsgegenständen beladen, um den ärmsten Familien einen Neuanfang nach dem Krieg zu ermöglichen. Dann kamen Giezendanners mit dem Osteuropa-Hilfswerk «Triumph des Herzens» in Kontakt. 77 Lastzüge fuhren bis 2006 in die Ukraine, bis 2009 weitere 13 nach Litauen, wo die Güter – auch Spital- und Pflegebetten sowie Schulmöbel –  durch das Hilfswerk verteilt wurden.
«Nun, nach 20 Jahren, kehren wir nach Rumänien zurück», erzählt das Ehepaar. Altershalber ziehen sie sich zurück, «doch in Walter Podolak aus Rüti haben wir einen hervorragenden Nachfolger gefunden», freuen sie sich. Podolak leistet seit Jahren Hilfseinsätze in Rumänien. 2001 wurde er vom Blick beinahe zum «Helfer des Jahres» gewählt, schliesslich landete er auf dem zweiten Platz. Er hat Giezendanners schon oft unterstützt, durch Zwischentransporte mit seinem eigenen Bus oder Lagerung von Sammelgütern in einer Halle, die er gemietet hatte. «Seit meine Frau einen guten Job hat, bin ich Hausmann», schmunzelt er. Besser müsste man sagen: professioneller freiwilliger Helfer. In Rumänien hat er eine Stiftung gegründet, damit die Hilfsgüter rechtlich abgesichert und kontrolliert verteilt werden. Seit dem EU-Beitritt verschiedener osteuropäischer Staaten seien die Transportformalitäten wieder übersichtlicher geworden, jedoch Hilfe nach wie vor nötig: «Die Armen in diesen Ländern leiden ernorm unter der Finanzkrise», weiss er.

BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER

Sammlungen in den Pfarreien:
19./20.3., Hombrech­tikon; 20.3., Tann/Rüti; 16.4., Wetzikon; 14./15./16.4., Volketswil; 23.4., Kemp­raten; 24.4., Wald; 24.4., Bäretswil.
Infos für Pfarreien, die mitsammeln wollen: Walter Podolak, wapo@swissonline.ch,
055 240 47 33.

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