Kirchenkalender
Dieses Jahr feiern sowohl die Ost- wie auch die Westkirchen am 4. April das Osterfest. Auch nächstes Jahr wird Ostern auf den gleichen Tag fallen – dann allerdings erst wieder in den Jahren 2014 und 2017. Das liegt daran, dass Ost- und Westkirchen ihr liturgisches Jahr nach unterschiedlichen Kalendern ausrichten.
Bereits die frühen Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens kannten zwei unterschiedliche Kalendersysteme: den Mondkalender, der sich nach den Mondphasen richtet, und den astronomischen Kalender, der sich am Lauf der Himmelskörper orientiert. Beide Kalendertypen haben das Problem, dass sie die unterschiedlichen Zyklen von Tageslänge, Mondjahr und Sonnenjahr in ein Gesamtsystem einbinden müssen. Beim reinen Mondkalender dauern die zwölf Monate eines Jahres durchschnittlich nur 354,37 Tage, was bedeutet, dass Kalender und Jahreszeiten bereits nach kurzer Zeit auseinanderfallen. Ein Sonnenjahr hingegen dauert rund 365,25 Tage, so dass hier dieses Auseinanderdriften wesentlich langsamer vor sich geht.
Bis ins 16. Jahrhundert waren verschiedene Sonnen- und Mondkalender in Gebrauch, die durch Einfügung von Schalttagen und -monaten immer wieder reformiert wurden. Lange hat sich dabei der julianische Kalender gehalten, ein Sonnenkalender, der 45  v. Chr. von Julius Cäsar eingeführt wurde und der in den Orthodoxen Kirchen noch immer verwendet wird. Auf ihn gehen die bis heute gültigen Grundlagen des abendländischen Kalenders zurück: die Einteilung des Jahres in 12 unterschiedlich lange Monate, der Jahresbeginn am 1. Januar und die Einführung eines Schalttages alle vier Jahre im Februar.
Da aber beim julianischen Kalender das Jahr 11 Min. und 14 Sek. länger ist als das astronomische Sonnenjahr, fällt auch hier der auf den 21. März festgelegte Frühlingsanfang mit den Jahren immer weiter zurück und entspricht dadurch immer weniger dem astronomischen Frühlingsanfang. Deshalb führte Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 eine Kalenderreform durch, denn Karfreitag und Ostern müssen gemäss Evangelien-Berichten in zeitlicher Nähe zum jüdischen Pessach gefeiert werden. Letzteres aber richtet sich nach dem ersten Frühlingsvollmond. Um den Kalender wieder mit dem Sonnenjahr in Übereinstimmung zu bringen, liess Papst Gregor im Oktober 1582 zehn Tage überspringen, so dass 1583 die Tag-und-Nacht-Gleiche und damit der Frühlingsanfang wieder auf den 21. März fiel. Darüber hinaus legte die gregorianische Kalenderreform die Dauer des Sonnenjahres auf 365,2425 statt wie bisher auf 365,25 Tage fest. Dies bedingt, dass volle Jahrhunderte nur dann Schaltjahre sind, wenn sie durch 400 teilbar sind. Aufgrund dieser unterschiedlichen Schaltjahrregeln weist der gregorianische Kalender in 400 Jahren 3 Tage weniger auf als der julianische. Aktuell hinkt der julianische Kalender dem gregorianischen 13 Tage hinterher. Am 1. März 2100 werden es 14 und Anfang März 2900 20 Tage sein.
JUDITH HARDEGGER
16. Ökumenischer Zürcher Kreuzweg
Karfreitag, 2. April, 12 bis 15 Uhr
www.kreuzweg-zuerich.ch
«Ostern 2010» Broschüre der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen im Kanton Zürich:
www.kath.ch/zh/niederhasli/agck_zh/deutsch.pdf