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Mechthild von Magdeburg – 26. Februar (evangelisch), 15. August (kat

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Mechthild von Magdenburg. Attribute: Buch, Gnadenstrahl. Kategorie: Begine. Gedenktag: 26. Februar/15. August

Denke ich «abstrakt» und ohne konkrete Gestalten im Blick zu haben an Heilige, insbesondere an heilige Frauen, geht es mir ähnlich wie mit dem Himmel. Mag er noch so erstrebenswert sein – die Hölle scheint spannender zu sein. Und mit weiblicher Heiligkeit verbinden sich blasse Eigenschaften wie fromm, demütig, angepasst und opferbereit. Mechthild von Magdeburg ist längst nicht die Einzige, die solche Klischees Lügen straft. Sie lebte zwischen 1207 und 1282, also in der Zeit vor dem Rütlischwur, in einer Welt, die wir uns ohne Demokratie und ohne Frauenrechte vorstellen. Und in einer Kirche mit der wir Stichworte wie Kirchenlatein und Klerikalismus verbinden.
Aber Mechthild war in dieser Zeit nicht die einzige Frau, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollte. Mit zwanzig Jahren schloss sie sich der Bewegung der Beginen an. Um weder einem dominierenden «Eheherrn» noch einer strengen Ordensdisziplin unterworfen zu sein, lebten sie in kleinen Gruppen und verdienten ihren Lebensunterhalt mit Handarbeiten und Krankenbetreuung. Sie wollten mit der Nachfolge Jesu ernst machen, aber ausserhalb von Klostermauern leben. Motiviert zu diesem Schritt war Mechthild durch «mystische Erfahrungen», die sich schon ab dem Alter von zwölf Jahren einstellten und die sie den «Gruss des Heiligen Geistes nannte». Im Alter von über vierzig Jahren begann sie, ihre Erfahrungen schriftlich festzuhalten – und zwar in deutscher Sprache. Ihre Aufzeichnungen tragen den Titel «Das fliessende Licht der Gottheit». Sie enthalten unter anderem bittere Klage und scharfe Anklage gegen die Kirche. Dieser wirft sie vor, sie habe den heiligen christlichen Glauben geschändet, sie sei verarmt und habe die Liebe nicht. Eine Quelle dieser Kirchenkritik ist wohl, dass Frauen, die sich auf eigene «mystische» Erfahrungen der Gottunmittelbarkeit beriefen und nicht nur äusserlich, sondern auch im religiösen Bereich eine grosse Unabhängigkeit lebten, immer wieder dem Veracht der Irrlehre ausgesetzt und verfolgt wurden. So schreibt sie: «Und Gott spricht: Die da viel lieben, die schweigen selig, die nicht lieben, sind stets Aufpasser der Liebe.»
Schon diese Blitzlichter zum Leben von Mechthild von Magdeburg zeigen, dass die gängigen Vorurteile über heilige Frauen und über das späte Mittelalter einer kritischen Überprüfung nicht standhalten. Wir begegnen in ihr einer eigenständigen, innerlich und äusserlich freien Frau, die in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten in deutscher Sprache über ihren Glauben schrieb und gesellschaftlich wie kirchlich «emanzipiert» war, und das schon vor dem Rütlischwur und Jahrhunderte vor den gesellschaftlichen und kirchlichen Aufbrüchen im 20. Jahrhundert.
All dies mag auch helfen, das oft missverstandene Wort «Mystik» besser zu verstehen. Es hat nichts mit weltfremder religiöser Überspanntheit zu tun. Die mystische Erfahrung ist eine besonders intensive Form des Glaubenslebens, der Hoffnung und der Nächstenliebe. Sie trifft den Menschen in seinem gesamten Wesen und lässt ihn etwas erfahren, das derart neu ist, dass sich seine gesamte Lebenseinstellung ändert. Und weil es im Leben des Menschen keine Aufspaltung zwischen Seele und Körper gibt, zeigt sich die mystische Erfahrung bei manchen – auch bei Mechthild – auf sinnenhafte Weise, was sich in einer bildhaften, ja sogar sinnlichen Sprache äussert. So schreibt sie einmal: «Herr, du bist mein Geliebter, meine Sehnsucht, mein fliessender Brunnen, meine Sonne, und ich bin dein Spiegel.» Und wenn sie schreibt: «Deine Gnade hat mich erdrückt!», erhalten wir eine Ahnung davon, dass ihre mystische Erfahrung zwar eine Quelle der Kraft war, anderseits aber aufgrund ihrer radikalen Konsequenzen auch etwas bedrückend Schwieriges an sich hatte.

DANIEL KOSCH

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