Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2010 forum Nr. 18, 2010 Unspektakulär und namenlos
Felix und Adauctus – 30. August

Unspektakulär und namenlos

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Mit schärfsten Worten entlarvt Jesus jede Weise, die eigene Frömmigkeit und Gerechtigkeit zur Schau zu stellen, als hohl. Damit stehen breite Gebetsriemen und lange Quasten an den Gewändern ebenso unter Verdacht wie eine demonstrative Gebets- und Fastenpraxis (vgl. Mt 6,1–18; 23,5–7). Die Linke soll nicht wissen, was die Rechte tut. Wer im eigenen Tun nicht dieses Tun selbst, sondern Anerkennung und Bewunderung von anderen erstrebt, hat sein Tun schon verraten.
Deswegen ist der namenlose Hei­lige sympathisch, den man mangels Identitätsnachweis «Adauctus», der Hinzugefügte, genannt hat. Er gehört zu jenen zahlreichen Menschen, die aus der Hingabe ihres Lebens keine Show gemacht haben.
Adauctus wird zusammen mit Felix verehrt, dessen Martyrium die Legende ausgeschmückt hat. Demnach war Felix ein Priester, der unter Diokletian den heidnischen Opferkult verweigerte und deswegen hingerichtet worden ist. Zuvor jedoch führt er die heidnische Götterverehrung regelrecht vor. Es heisst, er habe im Serapis-Tempel die Götterstatue angeblasen, so dass sie umstürzte. Gleiches widerfuhr dem Standbild des Merkur und der Diana. Der Atem des Felix wurde darüber hinaus zum Sturmwind, der einen dem Kult gewidmeten Baum entwurzelte, so dass dieser den darunter stehenden Altar zerschlug.
Die Legende verrät allzu menschliche Vorstellungen … So würde man sich ein Martyrium wünschen: letztlich als Demonstration der eigenen Überlegenheit, die die Märtyrer zu mehr als nur geheimen Siegern macht. In Wirklichkeit dürfte sich das Martyrium des Felix um einiges verhaltener ereignet haben. So viel unerschrockenen Mut viele Märtyrer auch erwiesen haben: Ob jemandem, dem der grausame Tod durch Enthauptung bevorsteht, noch nach Macht­demonstrationen zumute ist und ob dies überhaupt dem christlichen Bekenntnis entsprechen würde, sei dahingestellt.
Wie auch immer, Felix wird zur Hinrichtung geführt, und nun geschieht etwas ­Unvorhergesehenes. Einer der Zuschauer springt auf, läuft zu Felix, küsst ihn und bekennt sich als Christ. So werden an der Hinrichtungsstätte kurzerhand zwei Männer enthauptet. Für diesen unbekannten Mann, der dem Felix unversehens hinzugefügt wur
de, war es ein kurzer Weg zum Martyrium. Ein kurzer Prozess, besser gesagt: gar kein Prozess, ohne spektakuläre Aktion, ohne Preisgabe des Namens, gewissermassen: ohne Absicherung, ob denn dieses Martyrium wenigstens in das Gedenken, in die Akten, in den Heiligenkalender der Christenheit eingehen würde.
Nicht direkt zum Götzenopfer genötigt, hätte der Unbekannte schliesslich auch einfach stillhalten können, um später auf effektvollere Weise Zeugnis abzulegen. Aber da ist etwas von Selbstvergessenheit, die nicht überlegt, wie dem eigenen Namen noch ein Denkmal gesetzt werden kann. Dieser Adauctus ist kein Alpha-Tier, sondern einer von denen, die bereit sind, sich an der Seite von anderen und vielleicht in ihrem Schatten zu engagieren.
Letztlich ist es solches unspektakuläre Handeln, welches in der Geschichte der Christenheit den Geist des Evangeliums atmet – und welches zu allen Zeiten überzeugt hat.

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