Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Österreichisch-schweizerische Beziehungen

Streiflichter und ­Laserbrücken

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Was verbindet das katholische Vorarlberg mit der Schweiz?

Anfänge. Vorarlberger, die in Wien den Mund aufmachen, werden meist für Schweizer gehalten. Das liegt an der alemannischen Sprachmelodie, die – für arlbergjenseitige Ohren – dem Schwiizerdütsch zum Verwechseln ähnlich klingt. Wir nehmen das hin, freundlich, weil ein wenig Stolz mitschwingt, aber auch, weil wir es besser wissen. Denn was da um 451 mit dem ersten bezeugten Churer Bischof Asinio (für den Süden Vorarlbergs) und mit Kolumban und Gallus (um 610 im Norden) für das heutige (katholische) Vorarlberg einen doppelten Anfang genommen hat, ist im Laufe der Geschichte(n) zu einem «Labyrinth von Spannungen, Streitereien und Versöhnungen» geworden, «deren Logik widerspruchsvoll ist und deren Wertmassstäbe und Kriterien oft so verborgen sind, wie der ‹gekrümmte Raum› eines in sich geschlossenen Universums» (Artur Köstler). Also: Ein relativ vitales Beziehungsuniversum auf der Suche nach eindeutiger Identität – vielleicht?

Streiflichter.
Der neue Ökumeneminister des Papstes – Bischof Kurt Koch  – ist ein guter Bekannter im Ländle, hat Klerus und Volk oft mit seinen theologischen Erkenntnissen bereichert. Die 40 Jahre junge Diözese suchte den kirchlichen Input aus der Nachbarschaft. Nach dem 2. Vatikanum hat man mit dem Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) Pläne geschmiedet. Pastorale Praxis und strukturelle Eigenart des katholischen Gmeindelebens jenseits des Rheins fasziniert uns. Eigenständigkeit und freies Wort zählen! Zahlreiche Vorarlberger Patrozinien sind aus der gemeinsamen Geschichte erwachsen. Verbindungen über die Zeit hinaus. Die «Schwarze Madonna» von Einsiedeln, Bruder Klaus von der Flüe und – in jüngster Zeit – die Hl. Bernarda Bütler gehören zum glaubensorientierten Lebensraum diesseits und jenseits des Rheins.

Lichtblicke.
Die Propstei St. Gerold im Grossen Walsertal – ein spirituelles und kulturelles Kleinod – gäbe es nicht ohne das Engagement der Benediktiner aus Einsiedeln. Und das Kloster St. Peter in Bludenz haben die Nonnen aus Cazis in Treue und Kreativität revitalisiert. Die Mehrerau in Bregenz ist von Wettingen aus wiederbelebt worden. Sie waren tot und leben wieder. Dank der «Grenzgänger» durch die Zeiten, Frauen und Männer, die in der Schweiz (und Liechtenstein) ihr Geld für das Leben in Vorarlberg verdienen. So verbirgt sich hinter dem ökonomischen «kleinen Grenzverkehr» ein nicht weniger bedeutsamer, intensiverer, im Sinne der Heilsökonomie. Darum, um das gute Leben, geht es auch, auch wenn wir nach­barschaftlich vereint gegen Fluglärm (in Altenrhein) oder im «Menschenstrom gegen Atom» antreten und demonstrieren – im Land der so bewunderten Basisdemokratie, gewaltlos und aus ganzem Herzen für eine strahlenfreie Zukunft, beispielsweise.

Laserbrücken.
Zum Beispiel in Höchst, wo – anlässlich des 100-Jahr-Kirchweihjubiläums – ein Laserstrahl die Turmspitzen der Pfarrkirchen von Höchst (Vorarlberg) und St. Margrethen (Schweiz) verband. Das temporäre Lichtzeichen hat zwei Gründe. Beide ­Kirchen sind von Baumeister Albert Rimli (1871 – 1954) aus Frauenfeld zu fast derselben Zeit (1908 – 1910) gebaut worden. Das verbindende Lichtzeichen über den Rhein – die Laserbrücke – ist realistisch zu lesen. Wie ein Menetekel in den Himmel gezeichnet, bezeugt es, dass die Beziehung lebendig ist, Potential hat. Dass die Anfänge von ehedem durch die Wechselfälle bis hierher getragen haben und dass Menschlichkeit und Nächstenliebe nicht an Diözesangrenzen oder dem Rhein, sondern bestenfalls im Himmel über dem Rheintal ihre Grenze finden. Also: Grüezi wohl! und Grüass Gott!

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Laserstrahl zwischen Höchst und St. Margrethen. FOTO: ZVG
Laserstrahl zwischen Höchst und St. Margrethen. FOTO: ZVG
Zum Autor

Walter Buder, Dr. theol., seit der Pensionierung als Chefredakteur des Vorarlberger KirchenBlattes freier Journalist und Schriftsteller in Bregenz.