Liebe Leserin, lieber Leser
Die letzten dreissig Jahre habe ich meine Sommerferien fast ausnahmslos in Norddeutschland verbracht. Ferien in Deutschland? Zählt das überhaupt? Für den durchschnittlichen Schweizer offenbar nicht, denn die durchschnittlichen Reaktionen auf meine bevorzugte FeriendestinaÂtion «Ostsee» reichen von freundlichem Unverständnis bis zu freundlichem Desinteresse. Wenn’s wenigstens Schweden oder Dänemark wäre. Aber Deutschland klingt so gar nicht nach Exotik. Dort ist doch plus-minus alles wie bei uns.
Mit Österreich ist es dasselbe, obwohl «felix austria» bei uns als ebenfalls notorische Nicht-Fussballweltmeister einen Sympathiebonus geniesst, den es allerdings spätestens beim Skifahren wieder verspielt. Mit Reisen nach Österreich erntet man weder Ahs noch Ohs. Ferien seien in Österreich preiswerter, die GastÂgeber freundlicher und die Portionen grösser als bei uns – so klingen Schnäppchenjäger nicht Weltenbummler. Den Neidpegel bringt man damit folglich kein bisschen auf Touren.
Und doch widmen wir ausgerechnet in diesen Sommerferien ein Themenheft unserem östlichen Nachbarn, genauer der kathoÂlischen Kirche in Österreich. Das hat System, denn gerade wir Schweizer Katholiken gefallen uns seit Jahrzehnten etwas gar sehr in der Sonderfall-Rolle. Da kann es nichts schaden, wenn wir damit mal Pause machen und stattdessen den Sonderfall ÂÖsterreich entdecken. Katholische Kirche in Österreich ist zwar plus-minus wie bei uns – und doch auch wieder ganz anders. Mit ein wenig Gwunder und Phantasie braucht man für die ÂÂExotik gar nicht weit gehen. Dann beginnt das Abenteuer gleich vor der Haustüre …