Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Ignatius von Loyola – 31. Juli

In allem Gott

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Das Wörtchen «mehr» kann in sehr gegensätzlichem Zusammenhang gebraucht werden. Mehr, immer mehr und noch mehr haben wollen – das ist Gier. Wohin diese uns führt, zeigt uns die Finanz- und Wirtschaftskrise sehr deutlich. Eine ganz andere Bedeutung hat «magis» im Wortschatz des Hl. Ignatius. Mehr, immer mehr und noch mehr geben wollen – das ist Leben aus einer Sehnsucht, die um die göttliche Fülle weiss. Neben vielem anderen lehrt uns dies bis heute einer, der zu den begabtesten spirituellen Meistern des Christentums zählt. Obwohl er der Gründer eines reinen Männerordens war und diesen über ein Gehorsamsgelübde in besonderer Weise an den Papst band, gehören zu seiner geistlichen Schülerschaft mittlerweile auch unzählige Frauen, Angehörige anderer christlichen Konfessionen, ja sogar anderer Religionen.
Mit Ignatius in Berührung kommen alle, die sich auf den spirituellen Übungsweg der Exerzitien einlassen. Diese mögen unterschiedlich geprägt sein, aber letztlich gehen sie alle – und sei es wenigstens dem Namen nach – auf die «Geistlichen Übungen» zurück. Das von Ignatius verfasste Buch gibt zum einen seine eigenen mystischen Erfahrungen wieder und will zum anderen Anleitung sein für jeden und jede, den Willen Gottes für das eigene Leben zu suchen und zu finden. Trotz ihres hohen Alters von nahezu fünfhundert Jahren haben die «Geistlichen Übungen» nichts von ihrer Aktualität und Anziehungskraft eingebüsst. Sie sprechen viele Menschen nach wie vor existentiell an. Das liegt wohl darin, dass ihr Verfasser seine eigene tiefe Gottverbundenheit mit einer grossen Einsicht in das Wesen des Menschen verband. Psychologische Kenntnis liegt den ignatianischen Exerzitien ebenso zugrunde wie eine ganzheitliche Sichtweise des Menschen.

Aber von vorn: Iñigo (lat. der Feurige) wurde 1491 als Sohn einer baskischen Adelsfamilie in Loyola in Nordspanien geboren. Draufgängerisch wie er war, träumte er von einer militärischen Karriere. Dann allerdings zerschmetterte 1521 bei der Verteidigung der Festung von Pamplona eine steinerne Kanonenkugel sein Bein. So war er für längere Zeit ans Krankenbett gefesselt. Aus Langweile – die von ihm bevorzugten Ritterromane waren  in Loyola nicht vorhanden – las er je ein Buch über das «Leben Jesu» und über die Heiligen. Bei dieser Lektüre machte er seine ersten Meditationserfahrungen und entdeckte die «Unterscheidung der Geister», die später in seinem Exerzitienbuch eine wichtige Rolle spielen sollte. Nach seiner Genesung unternahm er eine Wallfahrt nach Jerusalem; auf dem Weg dorthin entstand ein erster Entwurf der «Geistlichen Übungen». Nach seiner Rückkehr nahm Ignatius das Theologiestudium auf. Gleichzeitig begann er, seine spirituellen Erfahrungen weiterzugeben und andere darin anzuleiten, sich «geistlich zu üben» und ihr Leben auf diese Weise zu ordnen. Mehrfach wurde Ignatius vor die Inquisition zitiert, ohne dass sie ihm etwas zur Last legen konnte. Er fand aber auch Freunde, die von seinem geistlichen Übungsweg fasziniert waren. Mit einer Gruppe seiner Gefährten gründete er 1539 in Rom den Orden der Jesuiten, die «Gesellschaft Jesu»; sie stellt sich der Kirche vor allem für die Aufgaben der Glaubensverkündigung und im Bildungs- sowie Missionswesen zur Verfügung. Nach ihrem Wahlspruch soll «alles zur grösseren Ehre Gottes» getan werden. In allem soll aber auch die Gegenwart Gottes gesucht und gefunden werden. So lautet einer der ignatianischen Grundsätze «In jedem Menschenantlitz, in jedem Gespräch, […] in der Freude und in der Not menschlichen Lebens, in heftigen Auseinandersetzungen und in Übereinkünften, in Widerständen und bei Rückenwind, in den Fragen und den Antworten, in der Nähe Gottes und in seiner Ferne – in allem Gott.»


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