Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2010 forum Nr. 15, 2010 Solidarität stärker als ­Steuersatz
Vom Seelsorgeraum zur Einheitskirchgemeinde

Solidarität stärker als ­Steuersatz

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17 politische Gemeinden, drei Kirchgemeinden, seit 2001 ein Seelsorgeraum – und seit 2008 eine einzige Kirchgemeinde: Im Glarner Hinterland leistet die Kirche Pionierarbeit.

Im Glarus ist die Kirche der Politik voraus: 2001 startete der erste Seelsorgeraum der Diözese Chur, 2008 wurde daraus eine einzige Kirchgemeinde. Die Kirche hat damit den politischen Zusammenschluss der Glarner Gemeinden vorweggenommen, denn 2011 soll es nur noch drei politische Gemeinden geben, wovon die eine, Glarus-Süd, mit der Einheitskirchgemeinde Glarner Hinterland-Sernftal geografisch übereinstimmt.
Schon früh zeichnete sich ab, dass die drei Kirchgemeinden (zu denen insgesamt 17 politische Gemeinden gehörten) nicht mehr mit je einem Pfarrer besetzt werden können. «Ein Seelsorgeraum drängte sich auf», erzählt Pfarrer Josef Kohler, der zusammen mit Dekan Hans Mathis den Seelsorgeraum «in solidum» führt. «Zuerst musste die Bevölkerung jedoch sachte zu einem neuen Miteinander hingeführt werden», erzählt er. «Wir bauten Brücken von Dorf zu Dorf: regionale Gottesdienste, gemeinsame Jugendarbeit, Firmvorbereitung und Unterricht, gemeindeübergreifende Elternabende, Schwerpunktgottesdienste usw.»

RINGEN GESCHEITERT
In kurzer Zeit erarbeiteten die kirchlichen Behörden der drei Kirchgemeinden eine Vereinbarung für das Miteinander. «Organisatorisch war das allerdings ein Kraftakt: Mit drei Kirchgemeinderäten und einem Rat aus Delegierten des Seelsorgerates, Vertretern aus Kirchenrat und Volk aller drei Gemeinden musste das für den Seelsorgeraum gemeinsame Budget besprochen und gemeinsame Unternehmungen geplant werden», sagt Kohler rückblickend. Ein weiteres Problem war die unterschiedliche Finanzlage: Luchsingen und Linthal waren verschuldet und mussten vom kantonalen Steuerausgleich leben, Schwanden ging es gut. «Es dauerte seine Zeit, bis die Rechnung nicht mehr den Eindruck erweckte, der Seelsorgeraum sei kostspieliger statt kostenfreundlicher», erklärt Kohler. Denn in Schwanden bekamen nun Stimmen die Oberhand, die fanden, ihre Gemeinde müsste zu viel an den Seelsorgeraum beitragen. Sie forderten bis Ende 2007 einen neuen Vertrag. Mit anderen Worten: Das Ringen war gescheitert. Einen neuen Vertrag zu schliessen, der alle zufrieden stellen würde, schien unmöglich. Die Verantwortlichen des fast auseinander brechenden Seelsorgeraumes holten Hilfe bei der Stelle «Kirchliche Gemeindeberatung und Supervision», also bei Bernd Kopp vom Generalvikariat Zürich/Glarus. Gleichzeitig hatte sich in Schwanden ein neuer Kirchenrat konstituiert. Bei der Zusammenkunft aller Beteiligten wurde überraschenderweise nicht an einem zweiten Seelsorgeraum-Vertrag herumgebastelt, sondern eine neue Stossrichtung ins Auge gefasst: «Es gibt nur eine ­Zukunftslösung, nämlich eine einzige Kirchgemeinde.» Eine Finanz- und eine Strukturgruppe, die sich später zur Fusionsgruppe zusammenschloss, begannen mit Schwung ihre Arbeit. Die grösste Frage blieb jedoch: Gelingt es, für die unterschiedlichen Steuerverhältnisse in den drei Kirchgemeinden einen einheitlichen Steuerfuss zu präsentieren, der überall akzeptiert wird? «Gerade in Schwanden, wo der Steuerfuss erhöht werden musste, waren die Verantwortlichen überzeugt, dass schon rein christliche Solidarität dazu verpflichtet», freut sich Kohler.

DIE KIRCHE FÄHRT VOR
Grosse finanzielle Unterstützung kam auch vom Kantonalen Kirchenrat, der einen Projektierungskredit, Investitionsbeiträge sowie die hälftige Übernahme der Linthaler Altlasten zusicherte. Viele Mitarbeitende trugen zudem mit persönlichen Lohnreduktionen zu einem tragbaren Budget bei. Das zügige Vorangehen aller ermöglichte bereits 2006 die Abstimmung in den drei Kirchgemeinden, die sich mit überraschendem Mehr für die Einheitskirchgemeinde aussprachen. Der Überraschungscoup der Landsgemeinde mit der Reduzierung auf drei politische Gemeinden im Glarnerland erfüllte alle mit Stolz, dass diesmal die Kirche der Politik vorfahren würde!
«Die vereinfachte Verwaltungsstruktur der Einheitskirchgemeinde bringt für die Seelsorgearbeit eine grosse Entlastung», sagen die beiden Priester heute. Und sie freuen sich, dass die Umstrukturierung im Geiste einer christlichen Gemeinschaft angegangen wurde, so wie es in den Statuten des gemeinsamen neuen Pfarreirates steht: «Damit das Zusammengehen möglich ist, braucht es eine Spiritualität der Gemeinschaft. Das bedeutet, den Blick des Herzens auf das Geheimnis der Dreifaltigkeit zu lenken, das in uns wohnt und dessen Licht auch auf dem Angesicht der Brüder und Schwestern neben uns wahrgenommen werden muss.»

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