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«No Country Day» im Innenhof des Landesmuseums

Openair gegen Ausgrenzung

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«Luutstarch» hiess am Samstag, 19. Juni, das Motto des Openairs. Trotz Kälte und Regen stiess das Engagement von Caritas Zürich und zahlreichen Partnern auf offene Ohren.

 Es regnet an diesem Nachmittag nur einmal. Sehnlichst lässt der Sommer kalt-nass auf sich warten. Das riesige runde Dach im Innenhof des Landesmuseums in Zürich hält wenigstens vom strömenden Regen ab. Trotz dem ungemütlichen Wetter setzen rund 5000 Besucher ein Zeichen gegen Ausgrenzung: Auf den beiden Luutstarch-Bühnen präsentieren die Künstlerinnen und Künstler ihre Songs. Nach der Tanzperformance der «roundabout»-Gruppen macht sich der Rapper CanavaR bereit. Er gewann mit seinem Song «En Främde» den Liedwettbewerb, den «Luutstarch» zu diesem Anlass ausgeschrieben hatte. Eine Jury aus Musikern, Labelmachern und Eventmanagern kürte den Gewinner aus den zahlreichen Einsendungen.
Leicht nervös tigert der Sohn einer türkischen Einwandererfamilie auf den Brettern herum, welche für ihn die Welt bedeuten. Gleich zweimal präsentiert CanavaR an diesem Samstagnachmittag seinen Siegersong «En Främde». Der junge Mann mit der Kurzhaarfrisur heisst Ferhat Civrilli. Er kam im Frühling 1986 in Uster zur Welt. CanavaR – was so viel wie «die Bestie» heisst – befasst sich in seinen Liedern mal humorvoll, mal ernsthaft mit seinem Dasein und seiner Umwelt. Die Familie Civrilli wanderte damals aus der Türkei aus und liess sich in der Schweiz nieder. Hier also wuchs der türkische Bub auf und verinnerlichte beide Kulturen – die türkische und die schweize­rische. «Man fühlt sich in zwei Ländern zu Hause und bleibt doch für beide Seiten ein Fremder», sinniert der teilweise auch türkisch rappende Soziologiestudent. Es sei schwierig, als Ausgegrenzter gegen die Chancenungleichheit anzukämpfen, da man sich oft allein und machtlos fühle. «Wir müssen lernen, uns zusammen für unsere Rechte einzusetzen, bevor wir resignieren oder durchdrehen», meint der 24-jährige angehende Jugendarbeiter aus dem Zürcher ­Oberland. Deshalb überzeugt sein Rap «En Främde» auch die stillende Mutter am Rande der Bühne, die Fahnen schwingenden Fussballfans oder die zahlreichen Homeboys mit Baseballcaps und Stöpseln in den Ohren.

FÜR CHANCENGLEICHHEIT
CanavaR ist an diesem Openair nicht der einzige, der sich gegen Ausgrenzung und für Chancengleichheit singend engagiert. Auch die Black Tiger und die Mundartisten manifestieren in ihren Songs und Ansagen immer wieder, dass es auch bei uns Menschen gibt, die nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und sozial ausgegrenzt werden. Das anwesende Publikum weiss ganz genau, wovon die Musiker sprechen, und zeigt sich entsprechend begeistert. Vergnügt tanzen und wippen Alt und Jung mit. Und am späteren Nachmittag blinzeln sogar ein paar Sonnenstrahlen in den Innenhof des Landesmuseums, so dass die rund 1500 Zuschauer ein energiegeladenes letztes Konzert von Marc Sway erleben.
Nach den Konzerten im Innenhof des Landesmuseums startet im Dynamo, dem Jugendkulturhaus der Stadt Zürich, eine Solidaritätsparty mit DJ Claud und Greis, die für gute Stimmung sorgten. Der Erlös dieses Abends geht vollumfänglich an das Caritas-Mentoring-Programm «incluso» für junge Migrantinnen und Migranten auf ihrer Lehrstellensuche. Im Weiteren leitet Rebekka Benz ein Spiel- und Improvisationsatelier. Bei einem Rap-Workshop können eigene Raps zum Thema Ausgrenzung und Perspektiven verfasst und diese dann live vorgetragen werden.

INFORMATIONS- UND VERKAUFSSTÄNDE

Zurück zum Landesmuseum: Beim Vorplatz präsentieren die zwanzig Informations- und Verkaufsstände ihre verschiedenen Angebote und Aktivitäten. So wartet der Stand der katholischen Jugendseelsorge mit einem Wettbewerb auf. Blauring und Jungwacht, Pfadi Züri, «kabel» (die kirchliche Lehrlingsberatungsstelle) sowie «jenseits im Viadukt» (früher Jugendkirche Zürich) sind hier ebenso vertreten wie die Fachstelle Integration, Caritas Zürich, das Zürcher Lehrhaus und die Aktionsplattform «wir sind arm». Sie alle zeigen ganz konkret, was für mehr Chancengleichheit getan werden kann. «Die entstandenen Partnerschaften sind gewiss ein Gewinn für alle Beteiligten», sagt OK-Mitglied Jonas Ryser, auch Mitarbeiter am Jugendprojekt jenseits. «Beim Event ‹Luutstarch› geht es uns in erster Linie um einen Anlass, der Jugendliche motiviert, Perspektiven aufzeigt und sich gegen Ausgrenzung stellt», so Ryser. «Wir wollten aufzeigen, dass es auch in der Schweiz – ebenfalls im reichen Zürich – noch viel Armut gibt», betont Jonas Ryser, der in Freiburg Medienwissenschaften, Kommunikation und Recht im Nebenfach studierte. Und er fügt an: «Wir werden weiterhin für laute, starke Zeichen sorgen, denn es gibt noch viel zu tun.»

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