Liebe Leserin, lieber Leser
«Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.» Dieses Wort von Dietrich Bonhoeffer steht als Motto über dem Jahresbericht 2009 der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Nur: Wie muss die Kirche aussehen, damit sie für andere da sein kann? Da fangen die grossen Fragen erst an. Das zeigt auch das Projekt Seelsorgeräume, das in anderen Bistümern recht weit gediehen ist und in Zürich in den ÂStartÂlöchern steht. Es wird – hier wie dort – begrüsst, aber auch Âabgelehnt.
Bei allen durchaus notwendigen Diskussionen um die richtige Struktur der Kirche gilt immer: Ob Kirche für andere da ist, hängt letztendlich von den Menschen ab, die diese Kirche ausmachen. Es ist wie in der Schule: Mit vielen Reformen will man sie verbessern. Aber Studien zeigen übereinstimmend auf, dass der grösste Lernerfolg dann erzielt wird, wenn die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden stimmt.
So ist es auch in der Kirche. Wir wollen unbedingt passende Gottesdienstzeiten in der nächstliegenden Kirche – nehmen aber fürs Einkaufszentrum problemlos einen langen Weg in Kauf. Der Pfarrer darf ja nicht ausserhalb der Pfarrei wohnen und muss immer erreichbar sein – selber sind wir jedoch kaum rund um die Uhr als Christen für unsere Mitmenschen ansprechbar.
Ob Seelsorgeraum oder Kleinpfarrei, Gemeindeleiterin oder Pfarrer, ob «Rom» nötige Reformen anpackt oder nicht: Dort, wo die Beziehungen zwischen den kirchlichen Mitarbeitenden und mit den Menschen in einer Pfarrei oder in einem Seelsorgeraum stimmen, dort spürt man Begeisterung, werden Kräfte frei,
ist Kirche für andere da. Eine solche Kirchengemeinschaft ist dann auch offener für notwendige Veränderungen, damit das Leben dieser «Kirche für andere» weiterhin ermöglicht und gefördert wird.