Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2010 forum Nr. 15, 2010 Hilflose Strukturreform oder ­«Biotope des Glaubens»?­
Seelsorgeräume im Kanton Zürich geplant

Hilflose Strukturreform oder ­«Biotope des Glaubens»?­

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Immer weniger und immer ältere Priester stehen den Pfarreien zur Verfügung. Mit der Bildung von Seelsorgeräumen soll das Problem entschärft werden. Eine hilflose Reform veralteter Strukturen oder eine neue Möglichkeit, «Kirche bei den Menschen» zu verwirklichen?

«Seelsorgeräume sind für die Pastoral der Zukunft unabdingbar», erklärte Generalvikar Josef Annen an der Tagung des Seelsorgerates vom 24. April in Zürich. «Und zwar unabhängig davon, ob es viele oder wenige Priester gibt.» Ganz anders äusserte sich Josef Bommer, emeritierter Professor für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät der Universitären Hochschule Luzern, in einem Beitrag in der «Neuen Zürcher Zeitung» Anfang Jahr: «Die ältere Priestergeneration, meist schon pensioniert, versieht den sakramentalen Dienst. Geschiedene Männer und Witwer werden, oft noch in späten Jahren, zu Priestern geweiht. Man setzt auf Strukturreformen und schafft grössere Pastoralräume und Seelsorgeeinheiten. Man opfert damit freilich ein örtliches Gemeinschaftsbewusstsein. Von der dringend notwendigen und wirksamen Lösung durch eine Ämterreform (Weihe von verheirateten Männern und Frauen) will man nichts wissen. Die zölibatäre Priesterkirche, die Kirche von oben, soll nicht der Kirche von unten als Volk Gottes geopfert werden.» (NZZ, in «Der durchlöcherte Zölibat», 12.02.2010) Auch Hans Schwegler, Pfarradministrator in St.  Anna, Opfikon, sieht das so. Die heutige ­Situation sei zudem verantwortungslos gegenüber den noch verbleibenden Priestern. «Wer als ‹Messpriester› von einer Gemeinde zur anderen hetzen muss, um die ‹Messe zu lesen›, hilft der Gemeinde nicht wirklich. Der Priester, der über Jahre hin drei bis vier Messen pro Wochenende zelebrieren muss, schadet auf lange Sicht seiner eigenen Priesterseele», ist der Bibeltheologe überzeugt.
Das lässt Pastoralamtsleiter Rudolf ­Vögele, im Generalvikariat Zürich zuständig für die Planung und Errichtung von Seelsorgeräumen, so nicht gelten: «Es geht nicht darum, grössere Einheiten zu schaffen und damit weiter weg von den Menschen zu kommen», erklärt er vehement. Für die Menschen von heute zähle jedoch oft nicht die Zugehörigkeit zu einer Pfarrei, sondern sie entscheiden sich je nach Interesse für einzelne Angebote. «Wir können als einzelne Pfarreien unmöglich allen alles allezeit anbieten», unterstreicht er. «Wir müssen das, was wir machen, gut machen. Zum Beispiel unsere Stärke in der Kirchenmusik ausspielen oder unsere Angebote für Jugendliche oder die Altersarbeit ausbauen usw.» Man müsse sich als Knotenpunkt in einem Netzwerk verstehen, in dem es auch andere Schwerpunkte gibt. «Die Vielfalt unserer Kirche darf und muss sichtbar und erlebbar werden – und das ist nur in grösseren Einheiten möglich», betont er. «In jedem Seelsorgeraum muss es jedoch nach wie vor pro Pfarrei eine Ansprechperson geben, ein Mitglied aus dem Seelsorgeteam, das in der entsprechenden Pfarrei wohnhaft und speziell für diese Gläubigen da ist.» Auch sollen die Gottesdienstzeiten angepasst werden. «Vielleicht wird nicht mehr in jeder Pfarrei am Samstag und Sonntag eine Messe angeboten. Jedoch am Samstag hier und am Sonntag dort.» Durch die Zusammenarbeit der Seelsorgenden über die Pfarreigrenzen hinaus sei es eher möglich, entsprechend der eigenen Talente eingesetzt zu werden, ergänzt Generalvikar Josef Annen. «Damit wächst die Berufszufriedenheit», meint der Personalverantwortliche im Generalvikariat. «Auch können Migrantenseelsorger, pensionierte und junge Priester in einem Seelsorgeraum in einer Gemeinschaft leben und arbeiten, was viel besser ist, als wenn sie allein in einer Pfarrei sind.» Die Migrantenseelsorger sollen sich zudem vermehrt für alle Gläubigen engagieren und so ebenfalls zu einem Bezugspunkt werden. So könnten die Seelsorge­räume zu echten «Biotopen des Glaubens» werden.

PLÄNE IN DISKUSSION
Jedenfalls sind die Pläne für Seelsorgeräume im ganzen Gebiet des Generalvikariates Zürich und Glarus schon recht weit gediehen. Die «Rahmenordnung für Seelsorgeräume im Bistum Chur», in der Aufgaben, Organisa­tion und Verantwortlichkeiten festgehalten sind, steht kurz vor dem Abschluss. Das Thema «Seelsorgeräume» wurde bereits vor einem Jahr im Kantonalen Seelsorgerat diskutiert, im April 2010 organisierte dieser Rat die öffentliche Tagung «Seelsorgeräume» für Kirchenpflegen, Pfarreiräte und Seelsorgeteams. Über hundert Interessierte lernten dort bestehende Seelsorgeräume kennen und stellten kritische Fragen. Auch im Rat der Laientheologinnen, Laientheologen und Diakone des Bistums Chur sowie im Priesterrat wurde das Thema behandelt. Pläne mit Vorschlägen, welche Pfarreien zusammen einen Seelsorgeraum bilden könnten, wurden ausgearbeitet und den Dekanen zur Prüfung vorgelegt. «An der Dekanenkonferenz vom 9. Juli werden wir die Rückmeldungen entgegen nehmen und die Pläne ­grafisch adaptieren», sagt Rudolf Vögele. «Anschliessend werden die Dekane die Vorschläge, welche ihr Gebiet betreffen, an den Dekanatsversammlungen mit den Seelsorgenden besprechen. «Im Herbst wird es wohl eine breite Diskussion dazu geben», vermutet Vögele.

 

Seelsorgeräume: pro und contra
www.zh.kath.ch/organisation/seelsorgerat/news
www.sankt-anna.ch/gott-bibel-welt/


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Wer hilft beim Errichten von Seelsorgeräumen?

An der Planung und operativen Errichtung eines Seelsorgeraumes ist mass­geblich Rudolf Vögele vom Generalvikariat beteiligt. Für die Begleitung des Seelsorgeraumteams vor allem in seiner Pionierphase, für die Klärung von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, das Coaching von Leitenden und bei Konflikten lohnt es sich, die Unterstützung der Kirchlichen Stelle für Gemeindeberatung und Supervision (KSGS) anzufragen. «Wenn die Gesprächsleitung abgegeben werden kann, ist dies für die Verantwortlichen oft eine grosse Entlastung», sagt Stellenleiter Bernd Kopp. «Auch ist ein konstruktiver Verlauf von Auseinandersetzungen möglich, dank professioneller Moderation.» Gegenüber dem Generalvikariat, dem die Stelle zugeordnet ist, sei absolute Diskretion gewährleistet, unterstreicht Kopp, ausgebildeter Pastoralassistent, Berater, Supervisor und Mediator.

 

Kirchliche Stelle für Gemeindeberatung
und Supervision

Bederstrasse 76, 8002 Zürich,

Tel. 044 204 17 80, bernd.kopp@zh.kath.ch,
www.pfarreiberatung.ch