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Birgitta von Schweden – 23. Juli

Eine Universal-Christin

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Um das Jahr 1302 wurde in Finsta, im östlichen Teil Schwedens, Birgitta von Birgersdotter geboren. Bei ihr verband sich Mystik und politisches Engagement auf ebenso eindrückliche Weise wie bei ihrer Zeitgenossin Katharina von Siena.
Birgitta wurde bereits als Mädchen mit politischem Kalkül verheiratet. Der Bräutigam Ulf Gudmarsson war achtzehn, Birgitta dreizehn Jahre alt. Zunächst hatte sich Birgitta gegen eine Heirat gesträubt, wollte sie doch in ein Kloster eintreten.
Als sich jedoch herausstellte, dass Ulf für die Vorbehalte seiner Frau Verständnis hatte und ihre Persönlichkeit respektierte, schien Birgitta dem Kloster nicht länger nachgetrauert zu haben. Sie führte jedenfalls als Mutter und Matriarchin ein höchst aktives Leben, umgeben von acht Kindern und mit einflussreichen Aufgaben betraut.
Während Ulf allmählich zu einem der einflussreichsten Männer des Landes aufstieg, wurde Birgitta mit 32 Jahren zur Haushofmeisterin bei König Magnus Eriksson berufen, einer wichtigen Position bei Hofe.
Und dann beschlossen Ulf und Birgitta 1341, nach Santiago de Compostela zu pilgern. Nach sechzehn Jahren Ehe im Alter von 39 respektive 44 Jahren war das nichts Aussergewöhnliches, sollte aber in ihrem Falle aussergewöhnliche Folgen zeigen.
Auf der Rückkehr aus Santiago erkrankte Ulf nämlich schwer und legte das Gelübde ab, er werde im Falle der Genesung in ein Kloster eintreten. Tatsächlich kam Ulf wieder zu Kräften und trat nach der Heimkehr in ein Zisterzienserkloster ein. Birgitta dagegen zog sich in ein Zisterzienserinnenkloster zurück, ohne vorerst einzutreten. Ulf sollte die klösterliche Ruhe jedoch nicht lange geniessen können, denn er starb bereits 1344.
Wer nun erwartet, dass Birgitta sich als Witwe im Kloster zur Ruhe gesetzt hätte, sieht sich getäuscht. Im Gegenteil, jetzt erst begann die aktivste Zeit ihres langen Lebens. 1349 erhielt Birgitta in einer Vision den Auftrag, nach Rom zu reisen. Damals war Rom nur bedingt das Zentrum der katholischen Kirche, befand sich der päpstliche Hof doch seit 1309 in Avignon.
Als Birgitta in Rom ankam, war Papst Clemens VI. im Amt, ein Mann, der nur an weltlichen Dingen interessiert schien und dessen Hof sich kaum von denen der Könige und Fürsten unterschied. Die Verweltlichung und Selbstsucht der Kirchenleitung war für Birgitta ein Ärgernis. Selbstbewusst richtete sie ihre Forderungen nach Reformen an den Papst und rief ihn auf, seinen Lebensstil zu ändern.
Mit ihrer direkten und tatkräftigen Art muss Birgitta auch in Rom schnell grossen Einfluss gewonnen haben. Sie wurde in der Heiligen Stadt zu einer der wichtigsten kirchlichen Persönlichkeiten, zur inoffiziellen Statthalterin des Petrusamtes.
1372 steuerte Birgitta zusammen mit ihrer Tochter Katharina, die ihre wichtigste Weggefährtin war, erneut neue Ufer an: Mit siebzig Jahren pilgerte Birgitta ins Heilige Land. Das sollte nun wirklich die letzte Reise werden, die diese geradezu unheimlich energische Frau zu Lebzeiten unternahm – am 23. Juli 1373 starb Birgitta.
Erst jetzt kehrte sie in ihr Heimatland zurück, als ihr Leichnam in ihre Gründung Vadstena überführt wurde. Ihre Tochter Katharina wurde Äbtissin in Vadstena, erreichte die Anerkennung des Ordens und starb 1381. Zehn Jahre später wurde Birgitta heiliggesprochen, 1484 folgte ihr die Tochter auch in dieser Beziehung nach, als sie ebenfalls kanonisiert wurde.
Als Verfechterin grundlegender kirchlicher Reformen, als Gründerin eines Doppelklosters, das den Regeln entsprechend immer von einer Frau geleitet wurde und als Begründerin der literarischen Kultur Schwedens gehört Birgitta zu den eindrucksvollsten Frauengestalten des Mittelalters.

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