Liebe Leserin, lieber Leser
Wenn Sie es in Ihrer Pfarrei gut haben wollen, müssen Sie es mit dem PfarreiÂsekretariat, dem Hauswart und dem ÂSigristen gut haben. Der Grund dafür ist einfach: Die Menschen in diesen Aufgaben versehen wortwörtlich Schlüsselpositionen. Wer ihre Sympathie hat, dem öffnen sich viele Türen. Diese Offenheit gewinnt man am sichersten und ehrlichsten dadurch, dass man diesen Aufgaben und ihren VerantwortÂlichen das gibt, was sie auch verdienen: Freundlichkeit und Wertschätzung.
Wer dagegen jene Menschen, die im Hintergrund arbeiten, übersieht oder sie gar in den Hintergrund drängt, der macht sich auf Dauer selbst das Leben schwer. Weshalb soll ein Mensch, den ich als «Dienstmagd» behandle, für mich mehr tun als «Dienst nach Vorschrift»? Wer sich immer nur an die Namen der SeelÂsorger, aber nie an jene von Sigrist und Sekretärin erinnert, der vermittelt damit eine Botschaft, die sehr wohl ankommt.
Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind vor unserem Sigristen mindestens so viel Respekt hatte wie vor dem Pfarrer. Und es wäre mir nie eingefallen, ihn geringschätzig als Aufputzer zu behandeln. Diesen Respekt habe ich mir – auch weil mir das meine Eltern immer und immer wieder beigebracht haben – bis heute bewahrt. Und es hat sich mir dadurch schon manche Türe geöffnet, die sonst verschlossen geblieben wäre.
THOMAS BINOTTO