Liebe Leserin, lieber Leser
Wir Katholiken gehen zur Kommunion – aber kommunizieren wir auch? Oft vergessen wir, dass das letzte Abendmahl, zu dem Jesus Christus seine Jünger eingeladen hat, kein Gottesdienst und keine Liturgie, sondern ein ÂEssen im Wirtshaus war. Jesus hat sich mit seinen Jüngern an einen Tisch gesetzt und gegessen! Es ist dabei absolut entscheidend, dass es ein Esstisch und nicht ein Konferenztisch und auch kein Altar war. Wir überhöhen dieses zentrale Ereignis unseres Glaubens derart, dass wir beinahe vergessen, dass Christus gerade mit dem letzten Abendmahl eine Alltags- und Gebrauchsreligion gestiftet hat. Das zu entdecken, ist wichtig, damit Kommunion und Kommunikation wieder zusammenfinden. Wer gemeinsam am Esstisch sitzt, teilt nicht nur die Mahlzeit, er teilt sich auch selbst mit. Er erzählt von dem, was ihn freut, beschäftigt, belastet – er hört seinen Tischgenossen zu bei dem, was sie freut, beschäftigt und belastet – er lacht, errötet, staunt, brüllt – und manchmal schweigt er auch. Aber immer kommuniziert er.
Der Esstisch ist unser Kommunikationsort schlechthin. Menschen kriegen sich bei ihren gemeinsamen Mahlzeiten in die Haare und versöhnen sich wieder. Der Tisch ist, nur schon weil man sich vis-à -vis – Gesicht zu Gesicht – gegenüber sitzt, ein
Ort, der von Begegnung bis zu Konfrontation reicht. Er ist
so Âzentral, dass Familien mit grösser werdenden Kindern und Âseltener werdenden «Vollversammlungen» als erstes und schmerzlichstes diese gemeinsame Zeit am Esstisch vermissen.
Weihbischof Marian Eleganti und Generalvikar Josef Annen Âbetonen zu Recht die fundamentale Wichtigkeit der Kommunikation. Da nicke ich heftig und füge lediglich hinzu: Wir sollten uns viel häufiger gemeinsam an Esstische und viel seltener an Konferenztische setzen.
THOMAS BINOTTO