Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Weihbischof Marian Eleganti und Generalvikar Josef Annen im Gespräch

Kommunikation über alles

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Weihbischof Marian Eleganti und Generalvikar Josef Annen. FOTO: CHRISTOPH WIDER
Weihbischof Marian Eleganti und Generalvikar Josef Annen. FOTO: CHRISTOPH WIDER
Die Ämter Generalvikar und Weihbischof sind seit einigen Monaten im Generalvikariat für die Kantone Zürich und Glarus auf zwei Personen aufgeteilt. Wie erleben die beiden Amtsträger diese neue Lösung, und wie funktionieren sie als Team?

forum: Sie arbeiten nun ein halbes Jahr ­zusammen. Wie ist das Grundgefühl?
Weihbischof Marian Eleganti:
Ich bin gut hier angekommen. Josef Annen war mir eine gros­se Hilfe dabei, mich mit den örtlichen Verhältnissen vertraut zu machen. Und die vielen Aufgaben, die das Generalvikariat zu leisten hat, könnte ein einzelner gar nicht erfüllen, da braucht es in jedem Fall Teamarbeit und – im guten Sinne – einen Gegenpart, eine Ergänzung.
Generalvikar Josef Annen: Ich kenne die Aufteilung der Arbeit bereits aus meiner Zeit mit Weihbischof Paul Vollmar. Jetzt haben wir das etwas klarer strukturiert, aber im Wesentlichen kümmere ich mich immer noch um dieselben Aufgaben: Um das Personal und die Organisation des Generalvikariats. Sicher sind wir zwei verschiedene Menschen mit unterschiedlicher, uns bis heute prägender Biographie.
Aber gerade das empfinde ich als positive Bereicherung, zumal wir bislang keine fundamentalen Differenzen ausmachen konnten. Dass man unterschiedliche Sichtweisen und Entwürfe einbringt, das ist für mich gerade Ausdruck einer lebendigen Kirche, in der man sich über verschiedene Ansichten hinweg immer wieder in dem einen Geist von Jesus Christus findet.

Und wie stimmen Sie sich untereinander ab?
Eleganti:
In vielen Bereichen sitzen wir beide gemeinsam in den Gremien, und wir informieren uns sehr ausführlich gegenseitig. In den grossen Linien halten wir uns aber an die abgemachte Aufgabenteilung. Das ergibt sich auch von der Sache her: Personalführung wirft ganz andere Fragen auf, als beispielsweise das Leitbild einer Fachstelle oder ein Seelsorgeprojekt. Aber ich habe immer die Möglichkeit, mich einzubringen.
Annen: Den Kontakt und die Betreuung der vielen kirchlichen Fachstellen, die es hier in Zürich gibt, übernimmt Weihbischof Eleganti. Wenn es jedoch um Personalia geht, dann muss ich aktiv werden. Für eine Neubesetzung in der Spitalseelsorge bin also ich verantwortlich, für ein Konzept der Spitalsorge oder Leitlinien der Palliativmedizin der Weihbischof.
Eleganti: Im Personalwesen muss man die Leute kennen sonst ist man chancenlos. Josef hat so lange im Kanton Zürich und in der Bistumsleitung gewirkt, dass er für diese Aufgabe prädestiniert ist. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennt er seit deren theologischer Ausbildung. Durch Firmungen, die ich bereits als Abt gehalten habe, und durch andere Begegnungen, kenne ich hier doch mehr Menschen, als man zunächst meinen könnte.

Besteht nicht die Gefahr, dass Weihbischof und Generalvikar gegeneinander ausgespielt werden?
Annen: Dass wir oft beide kontaktiert werden, ist normal. Wichtig ist aber, dass wir uns gegenseitig informieren und absprechen. Bis jetzt ist es zwischen uns noch nie zu Differenzen gekommen, aus denen sich ein Konfliktfall hätte entwickeln können.
Eleganti: Wir informieren uns sehr offen und ausführlich. Natürlich ist es möglich, dass wir eine Situation unterschiedlich einschätzen, und ich bin sehr dafür, dass keiner von uns sich selbst verleugnen muss, aber bis jetzt ist es noch nie so weit gekommen, dass sich eine Situation deshalb zugespitzt hätte.
Annen: Als Personalverantwortlicher muss ich manchmal Entscheide gegen den Willen der Betroffenen fällen. Da kann es natürlich schon sein, dass eine Person danach auch noch Weihbischof Marian anspricht. Darüber bin ich aber oft sogar sehr froh, weil solche Gespräche entlastend wirken können.
Eleganti: Ich kann so im Hintergrund Entscheide mit vorbereiten oder abfedern. Und wenn ich zu vermitteln versuche, dann geschieht das einerseits aus meiner persönlichen Verbundenheit mit der Person, die mich anspricht, aber auch aus der Verbundenheit mit Josef Annen. Genauso versuche ich mich übrigens gegenüber Bischof Vitus Huonder zu verhalten. Es braucht immer wieder gute Schnittmengen, denn im Grossen und Ganzen kommt dabei etwas Besseres heraus, als wenn einer allein selbstherrlich agiert.

Haben sie den Informationsfluss ­institutionalisiert?
Eleganti: Wir haben keine eigentliche Verfahrensordnung entwickelt, aber wir kommunizieren sehr viel untereinander. Unsere Büros liegen ja unmittelbar nebeneinander. Oft setze mich beim Vorbeigehen spontan in Josef Annes Büro zum Austausch oder umgekehrt. Wir halten uns gegenseitig auf dem Laufenden, informieren uns über Dinge, die akut werden könnten, und manchmal rufe ich kurzfristig an, bevor ich einen Entscheid fälle.
Annen: Dazu kommt der Bischofsrat als institutionalisierte Form. Dort steht zwar das gesamte Bistum im Fokus, aber viele Fragen, die wir besprechen, betreffen auch die Kantone Zürich und Glarus. Und bei den Sitzungen des Synodalrats hier in Zürich sind wir ebenfalls wenn immer möglich beide anwesend.

Es gibt in Ihrer Arbeit bestimmt Pflichtstoff – und hoffentlich auch Wunschthemen.
Annen: In erster Linie beschäftigen mich Stellenbesetzungen. Wenn beispielsweise eine grosse Pfarrei wie Dübendorf ab November ohne Pfarrer ist, dann ist es meine dringendste Pflicht, möglichst viel zu einer guten Lösung beizutragen. Wünschen würde ich mir, mehr Zeit für ältere Priester zu haben, die beispielsweise in Altersheimen leben.
Eleganti: Der Religionsunterricht an den Mittelschulen ist eines meiner aktuellen Arbeitsfelder, dann die Steuerungsgruppe in der Jugendpastoral, oder auch die Viadukt-Kirche, die bald starten wird. Fast jede Fachstelle hat irgendeine Baustelle, die gerade wichig ist. Als Jugendbischof der Schweizer Bischofskonferenz möchte ich zudem gerne ein ständiges Sekretariat hier in Zürich einrichten. Wünschen würde ich mir vor allem mehr Zeit für die Lektüre von wichtigen Beiträgen und Büchern zu drängenden Zeitfragen. Und ich würde gerne hin und wieder auch selbst schreiben.


Die Agenda der letzten Wochen war dominiert von der Debatte um sexuellen Missbrauch. Wie gehen Sie damit um?
Annen: Wir haben zusammen mit dem Synodalrat, dem Oberstaatsanwalt, verschiedenen Opferberatungsstellen und unseren ­eigenen Fachstellen eine Veranstaltung ­gemacht, bei der wir vor allem die Kirchenpflegen darüber informieren wollten, wie sie mit dieser Frage umgehen sollen. Einen akuten Fall gibt es im Kanton Zürich aber momentan glücklicherweise nicht. Derzeit können wir deshalb nur Offenheit und Aufrichtigkeit anbieten und Vorsorge treffen, dass solche Fälle nicht vorkommen. Wobei es zu bedenken gilt, dass Pädophilie eine Krankheit ist, die wir auch durch verbesserte Strukturen und erhöhte Vorsicht nie vollständig ausschliessen können.
Eleganti: Ich habe mir vorgenommen, auf jede einzelne Anfrage persönlich zu reagieren und auch das persönliche Gespräch anzubieten. Bislang konnte ich das durchhalten, obwohl meine Kapazität beschränkt ist.
Annen: Glücklicherweise ist hier im Kanton Zürich keine «Welle» feststellbar. Aber das beschädigte Image der katholischen Kirche, das belastet natürlich auch uns. Dagegen gibt es nur ein Mittel: Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit.

Sie handeln als Weihbischof und Generalvikar im Auftrag des Bischofs. Gleichzeitig wird von Ihnen erwartet, dass Sie beim Bischof für die Anliegen der Zürcher Katholikinnen und Katholiken eintreten. Bereitet diese doppelte Loyalitätspflicht Mühe?
Eleganti: Man muss sehr viel kommunizieren und schauen, dass kein Porzellan zerbricht, weder beim Bischof noch bei den Vertreterinnen und Vertreter der Kirche hier in Zürich, noch bei den einzelnen Katholikinnen und Katholiken. Dafür braucht es Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen. Man muss versuchen, die Dinge immer wieder auf eine Sachebene zu bringen, wo Argumente zählen und nicht Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Dazu braucht es auch spiritiuelle Fähigkeiten und den Beistand Gottes. Dann, so hoffe ich, wird das Band auch bei harten Konflikten, die es natürlich immer noch geben kann, nicht zerreissen. Auf dieser Basis wird übrigens auch im Bischofsrat offen und manchmal kontrovers diskutiert.
Annen: Im Bischofsrat aber auch im direkten Dialog mit Bischof Vitus Huonder informiere ich immer sehr offensiv über das, was im Kanton Zürich läuft. Gerade wenn die Ansichten der Beteiligten nicht deckungsgleich sind, können so Vorurteile und Ängste abgebaut werden.
Eleganti: Wenn die Prozesse am Bischof vorbeilaufen, ist das nicht gut, weil er ja verantwortlich ist. Das ist wie in jedem Unternehmen: Die Informationsflüsse müssen so gestaltet sein, dass sich alle einbringen können, die davon betroffen sind. Umgekehrt gesagt: Informationen vorzuenthalten, ist immer auch eine Form der Machtausübung und der Manipulation. Wer zu wenig informiert, fördert Misstrauen und ein unheilvolles Klima, in dem Probleme nicht mehr gelöst werden können, weil man sich innerlich entfremdet hat. Also lieber zu viel kommunizieren als zu wenig.

Sie leben nun als Weihbischof und ehemaliger Abt eines Klosters in der Stadt Zürich. Wie fühlt sich das an?
Eleganti:
Ich liebe es, unter Menschen zu sein und habe in meinem Leben auch immer wieder in Städten gelebt, wenn auch nicht in so grossen wie Zürich. Gleichzeitig bietet mir meine Wohnung mitten in Zürich aber immer noch die Möglichkeit zum Rückzug in eine angenehme Privatsphäre an, wo auch Stille und Gebet ihren Raum finden.

INTERVIEW: THOMAS BINOTTO

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Weihbischof Marian Eleganti. FOTO: CHRISTOPH WIDER
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Generalvikar Josef Annen. FOTO: CHRISTOPH WIDER
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