Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Johanna von Orléans (auch «Jeanne d’Arc» genannt) – 30. Mai

Gut, dass es solche gibt

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 Der 30. Mai ist der Gedenktag der hl. Jeanne d’Arc. Es handelt sich wie bei den meisten Gedenktagen um ihren Todestag, was bei der «Jungfrau von Orléans» jedoch pikant ist, denn es ist der Tag, an dem das Urteil der diözesanen Inquisition von Rouen vollstreckt und sie öffentlich verbrannt wurde. Dieses Urteil wurde in einem Revisionsverfahren 1450 – 1456 widerrufen, 1909 wurde Jeanne d’Arc selig- und 1920 heiliggesprochen.
Jeanne d’Arc ist eine politische Heilige, die aus heutiger Sicht durchaus Befremden hervorrufen kann. Schon zu Lebzeiten wurde ihr grausame Kriegsführung vorgeworfen. Auch wenn ihre Verantwortlichkeit für einzelne harte Gefechte historisch nicht bis ins Letzte geklärt ist, so besteht kein Zweifel, dass sie unerbittlich gegen die Engländer eingetreten ist und Frieden in Frankreich nur mittels Krieg erreichbar sah.
Die Sympathie, die sie weckt, bezieht sich auf das – gut dokumentierte – aufrechte, unbeugsame Auftreten einer Frauengestalt, die beherzt und konsequent dem folgt, was sie unter dem Einfluss von (himmlischen) Stimmen als ihren Auftrag erkannt hat. Dazu gehört einerseits die Bereitschaft, sich selbst in diesen Auftrag hineinzugeben und sich dafür vorzubereiten. Sie folgt der ihr erteilten Weisung, sich gut zu regieren (soi bien gouverner), was vielleicht in die Richtung von «selbstbestimmt zu leben» zu deuten ist. Parallel dazu steht der Entschluss, für diese Sendung Jungfrau zu bleiben, «so lange es Gott gefallen möge». Den Stimmen folgt sie in einem freien Gehorsam, der sich nicht dispensiert sieht, eigenverantwortlich nach einem geeigneten Weg zu suchen. Im Einzelfall weicht Jeanne in der Ausführung gar von der himmlischen Vorgabe ab: Um dem Kern des Befehls, von ihrem Heimatort wegzuziehen, gehorchen zu können, verlässt sie trotz anderslautender Weisung der Stimmen ihre Eltern, ohne diese zu informieren, weil sie den Weggang womöglich verhindert hätten.
Überzeugend wirkt die Konzentration auf den eigenen Auftrag: Als sich ihr Ruf als mögliche Retterin verbreitet, wird sie auch wegen Heilungen angegangen oder um Rat gefragt, welches der aktuell drei Päpste der rechtmässige sei. Sie antwortet im ersten Fall, davon verstehe sie nichts, und im zweiten Fall, sie sei im Moment beschäftigt und werde später dazu Stellung nehmen. Im Inquisitionsprozess beweist sie ihre Schlagfertigkeit gegenüber führenden Kirchenleuten und der Elite der Pariser Universität. Als man ihr etwa vorwirft, sie habe hochmütig behauptet, sie habe alles, was sie getan habe, auf Gottes Rat hin getan, korrigiert sie: Alles, was sie Gutes getan habe, sei auf Gottes Rat hin geschehen.
Dieses unkonventionelle Auftreten hat Menschen fasziniert, die Dramatik ihres Lebens hat zur Nachdichtung angeregt. Bert Brecht bringt in seinem Stück «Die heilige Johanna der Schlachthöfe» zum Ausdruck, was wohl auch die kirchlichen und politischen Gegner gegen  Jeanne d’Arc aufgereizt hat: «Mir ist fast unerträglich, dass es solche gibt / Wie dieses Mädchen, nichts besitzend als den schwarzen Hut / Und zwanzig Cent am Tag und furchtlos.» Möge der Heilige Geist dafür sorgen, dass es immer solche gibt …

EVA-MARIA FABER

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Johanna von Orléans (Ca. 1412 – 1431)
Johanna von Orléans (Ca. 1412 – 1431)