Ethisch Wirtschaften
Das Erfolgskonzept von ATMI beruht auf dem Schweizer dualen System der Berufsausbildung. Seit mehr als 40 Jahren arbeiten Sie danach. Wo liegt die Zukunft?
P. Benedikt Triatmoko SJ: Unser Ziel war es von Anfang an, die Gesellschaft in unserem Land voranzubringen. Die duale technische Ausbildung junger Leute war und ist ein sehr erfolgreiches Mittel dafür. Wir haben vor einem Jahr mit dem neuen Programm I-Cell begonnen, das die unternehmerischen Fähigkeiten von jungen Leuten fördert. Wir wollen sie unterstützen, kreative Lösungen für die Zukunft selbst zu entwickeln.
Wie geht dieses neue Modell vonstatten?
Unsere Trainees lernen keine spezifischen Tätigkeiten. Sie erwerben eine Mentalität. Sie lernen, wie man lernt. So entstehen Entrepreneurs. Für die Zukunft braucht Indonesien nicht nur qualifizierte Arbeiter, sondern auch Unternehmer, die Neues ausdenken und umsetzen können. Diese Fähigkeit wird die Gesellschaft prägen.
Was motiviert Sie zu dieser Arbeit?
Die jungen Leute! Jede neue Generation ist ein Versprechen für die Zukunft. Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Kapazität voll auszuschöpfen, kann Grossartiges entstehen. Viele Menschen staunen, mit welchem Tempo die Welt zusammenwächst und sorgen sich. Aber es macht keinen Sinn, gegen die Globalisierung zu kämpfen. Sie ist eine Realität. Die Frage ist, wie wir die jungen Leute darauf vorbereiten können.
Und Sie glauben, dass der Entrepreneur-Geist ihnen dabei eine Hilfe ist?
Ja. Er wird ihnen helfen, nicht Opfer, sondern Mitgestalter der Globalisierung zu werden. Sie lernen, sich der Abläufe bewusst zu werden, Prioritäten zu setzen, ihr eigenes Leben zu reflektieren, aber auch das der Anderen. Die Problemlösungskompetenz, die sie dabei erwerben, wird sie zu aktiven Teilnehmern der Globalisierung machen. Der zweite Grund, warum wir das Entrepreneur-Programm entwickelt haben, erwächst aus meiner Überzeugung, dass Konzepte für die Zukunft der Entwicklungs- und Schwellenländer, wie Indonesien, von innen kommen müssen.
Was unterscheidet die Geschäftspraxis bei ATMI von der freien Wirtschaft?
Unsere Arbeit ist auf ethische Werte gegründet. Die Wirtschaft dient uns als Mittel für ein anderes Ziel. ATMI ist der Beweis, dass ethisches Wirtschaften kein Gerede ist, sondern möglich. Ganz realistisch. Wenn wir nur hinter dem Lehrerpult erzählen, dass es wichtig ist, ein ehrlicher Geschäftsmann zu werden, lacht man. Aber wenn wir selbst gute Geschäfte machen und dabei gute Menschen mit einer ethischen Basis bleiben, dann glaubt man uns.
ATMI war ein Schweizer Entwicklungsprojekt, heute ist es ganz in indonesischer Hand. Was hat sich verändert?
Aus der Arbeit von P. Casutt und der Unterstützung aus der Schweiz haben wir eine sehr starke Basis. An meiner Generation ist es, die Architektur auf dieses Fundament zu setzen. Die Erfahrung soll weitergegeben werden in andere Teile der Welt. Sie muss sich immer neu den Fragen der Zeit anpassen, wie zum Beispiel mit der Entrepreneur-Formation. Früher wurde Geld gegeben für Gebäude, Maschinen, für die Infrastruktur. Heute investieren wir weiter in die Beziehungen, die daraus gewachsen sind.
Was bedeutet Ihnen dabei die Zusammenarbeit mit der Jesuitenmission?
Die Missionsprokur ist unser Standbein in der Schweiz, die Tür nach Europa. Sie vernetzt unsere Arbeit. Wir kommen nicht in die Schweiz und wohnen im Hotel und kennen keinen. Wir kommen nach Hause, treffen auf Freunde und Mitstreiter. Ebenso können wir für die Jesuitenmission eine Basis für den Zugang in die asiatische Welt sein. Wir sind heute vielmehr Partner mit einem gemeinsamen Ziel als Missionar und Missionsland.
INTERVIEW: ANDREA ZWICKNAGL
Das ausführliche Interview lesen Sie im Magazin der Jesuitenmission.
Zu bestellen auf www.jesuitenmission.ch