Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Mediensonntag am 16. Mai

Taten prägen das Image

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FOTO: CHRISTOPH WIDER
Simon Spengler, ­geschäftsführender Sekretär der Medienkommission der SBK.
Seit dem 1. April ist Simon Spengler geschäftsführender Sekretär der Medienkommission der ­Schweizer Bischofskonferenz (SBK). Für den ehemaligen «Blick»-Redaktor ging es gleich ohne ­Aufwärmphase los: Die kritischen Rückfragen zur diesjährigen Kampagne zum Mediensonntag unter dem Slogan «mehr good news» ­warteten schon auf ihn.

An wen richtet sich die Kampagne zum ­Mediensonntag?
Simon Spengler: Sie richtet sich an alle Katholikinnen und Katholiken. Mit «allen» ist nicht nur das «Kirchenvolk» gemeint, sondern auch die Verantwortungsträger der Kirche.
Unmittelbares Ziel ist es, für die Kollekte am Mediensonntag zu werben. Mit diesem Geld werden kirchliche Medien unterstützt – nicht zuletzt die katholische Nachrichtenagentur Kipa. Darüber hinaus will die Kampagne dazu anregen, über Medien generell und unser Verhalten gegenüber Medien nachzudenken. Und natürlich über die positive Rolle, die kirchliche Medien spielen oder spielen könnten.

Die Kampagne wird von verschiedenen Medien als «Imagekampagne» dargestellt, mit der die ­Kirche im gegenwärtigen Missbrauchsskandal ihre schlechte Situation durch «good news» aufbessern will. Ist der Kirche da eine Kom­munikationspanne unterlaufen?
Zu glauben, das Image der Kirche könne mit ein paar schönen Plakaten aufpoliert werden, wäre ziemlich naiv. Ein Image wird durch Taten geprägt, nicht durch Slogans. Deshalb muss in der begleitenden Kommunikation zur Kampagne unbedingt diese völlig falsche Darstellung korrigiert werden. Es ging nie um eine Imagekampagne! Es ging und geht um eine kritische Auseinandersetzung mit Medien und um eine Ermutigung für all die vielen Frauen, Männer, Jugendlichen und Kinder, die im Rahmen der Kirche im Grossen wie im Kleinen viel Gutes tun und selten bis nie mediale Aufmerksamkeit erregen.

Ist dieser Kollision auch etwas Positives ­abzuge­winnen?
Jede Krise bedeutet eine Chance. Eine Chance, begangene Fehler zu erkennen und anzuerkennen und dann dafür zu sorgen, dass sie künftig nicht mehr wiederholt werden. Eigentlich genau das, was wir früher als Kinder im Beichtunterricht gelernt haben: Bekenntnis, Reue und Vorsatz. Im aktuellen Kontext des Missbrauchs ist die Kampagne nur glaubwürdig, wenn sie von der Kirche auch im Sinn einer Selbstkritik verstanden wird. Auch wir als Kirche sind aufgefordert, mit unseren «bad news» die «good news» nicht komplett zu ersticken. «mehr good news» soll also auch als Selbstverpflichtung der Kirche verstanden werden, das eigene Haus so zu gestalten, dass wieder mehr Platz für gute Nachrichten geschaffen wird. Dass hier die Kirchenleitung besondere Verantwortung trägt, versteht sich von selbst. Und selbstverständlich hat die Kommission auch die Begleittexte zur Kampagne entsprechend aktualisiert.

Nicht erst in Zeiten der Massenmedien gilt der Satz «Bad news are good news» als ehernes ­Gesetz. Wie soll es der Kampagne gelingen, gute Nachrichten in den Medien zu etablieren?
Wir alle sollen und können dazu beitragen, dass «good news» im Strom der «bad news» nicht untergehen. Wenn wir selbst nicht mehr daran glauben, können wir die kirchlichen Medien auch dicht machen. Als ehemaliger «Blick»-Journalist weiss ich aber, dass die Leser sehr wohl ein offenes Ohr für gute Nachrichten haben. Das sind zwar nicht unbedingt Verkaufsschlager, aber allein mit bad news verkauft man langfristig auch keine Zeitung! Kirchliche Medien müssen sich in diesem Spannungsfeld immer wieder die Frage stellen, was ihre spezifische Rolle ist.

Besucht man die Web­site der Kampagne, stösst man auf Einträge, bei denen die «good news» auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Viele ­Meldungen sind von lokalem Inte­resse. Hält die Schweizer Kirche diesen Weg für den richtigen, um sich mit positiven Nachrichten in der Gesellschaft positionieren zu können?
Zunächst einmal kommt die Kampagne von der Medienkommission. Das ist nicht «die Schweizer Kirche» – die ist Gott sei Dank doch etwas grösser. Die Kampagne wird auch nicht die Medienwelt auf den Kopf stellen können, das ist ebenfalls klar. Aber sie kann uns vielleicht ein wenig die Augen für das Kleine, Alltägliche öffnen, wo viel Gutes geschieht. Und wenn die Kampagne uns auch ein wenig Mut macht, das zu tun, was wir tun können, finde ich das schon sehr viel.

Ursprünglich sollte die Kampagne unter dem Motto «Mehr Platz für die gute Nachricht» ­laufen, eine deutliche Anspielung auf die Bibel. Gewählt wurde schliesslich der Slogan «mehr good news». Ist das der Tribut an eine vermeintlich zeitgemässere Sprache?
Warum nicht? Jesus würde heute auch kaum auf Aramäisch predigen. Als «Blick»-Mann würde ich sagen: «Mehr Platz für die gute Nachricht» ist ein schlichtweg langweiliger Titel. «mehr good news» zieht viel besser, gerade auch, weil es zum Widerspruch reizt. Meines Wissens ist diese Kampagne jedenfalls die erste Kampagne für einen Mediensonntag, die in einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Sogar ein Museum hat schon Interesse am Plakat angemeldet. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass dieses Jahr weniger Pfarrer oder Gemeindeleiter das Material zum Mediensonntag ungelesen in den Papierkorb werfen als sonst. Das erste Ziel ist jedenfalls erreicht: Die Kampagne wird wahrgenommen. Jetzt kommt es darauf an, was wir alle daraus machen.

INTERVIEW: ANDREA KROGMANN, KIPA

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