Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Gedanke zum Hochfest Pfingsten

Komm, Heiliger Geist

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Kirchenfenster der röm.-kath. Kirche Maria Geburt in Lyss. FOTO: CHRISTOPH WIDER
Kirchenfenster der röm.-kath. Kirche Maria Geburt in Lyss. FOTO: CHRISTOPH WIDER

In der Not seiner Zeit hat Stephan Langton, Erzbischof von Canterbury, im 13. Jahrhundert einen eindrücklichen Schrei nach der Nähe Gottes niedergeschrieben. Es ist der Hymnus «Veni, Sancte Spiritus – Komm, Heiliger Geist». Dieser Schrei nach der Nähe Gottes hat Eingang in die Liturgie der Kirche gefunden. Er hat Generationen von Christen und Christinnen ermutigt, im Vertrauen auf den Heiligen Geist Jesus nachzufolgen und an den Verhältnissen der Zeit und an der konkreten Verfasstheit der Kirche nicht irre zu werden.
«Komm herab, o Heiliger Geist, der die finstere Nacht zerreisst, strahle Licht in diese Welt.» So zu beten, tut auch heute gut. «Es kann so mit unserer Gesellschaft nicht weitergehen», mahnen uns wache Zeitgenossen. Die Klimakatastrophe steht vor der Tür. Die gerechte Verteilung der Güter dieser Erde ist dringend. Der Mensch muss von einem Nehmenden zu einem Gebenden werden. Dass der menschliche Geist diese Herausforderungen allein aus eigener Kraft bestehen wird, dürfen wir zumindest bezweifeln. Der gläubige Mensch rechnet auch mit der Wirkkraft des Heiligen Geistes. Er darf in den Schrei nach der Nähe Gottes in bedrängter Zeit einstimmen und beten: «Komm herab, o Heiliger Geist … Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.»
Nicht zuletzt hat unsere Kirche Anlass, sich den jahrhundertealten Schrei nach der Nähe Gottes zu eigen zu machen: «Was befleckt ist, wasche rein. Dürrem giesse Leben ein. Heile du, wo Krankheit quält.» Die Öffentlichkeit hält unserer Katholischen Kirche ihr Fehlverhalten vor Augen. Manifestiert sich darin nicht auch das Wirken des Geistes? Wir sind allen zu Dank verpflichtet, die den Opfern zum Recht verhelfen und die Schuldigen anklagen. So wie der menschliche Geist allein die gesellschaftlichen Herausforderungen nicht bewältigen wird ohne die Offenheit für die Inspiration von oben, so richtet die Kirche nichts aus ohne den Beistand des Heiligen Geistes. Kirche ist Ereignis des Geistes oder Leerlauf. Es tut ihr gut zu beten: «Wärme du, was kalt und hart. Löse, was in sich erstarrt. Lenke, was den Weg verfehlt.»
Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: Die Kirche umfasst in ihrem Schosse Sünder. «Sie ist zugleich heilig und stets der Reinigung bedürftig, sie geht immerfort den Weg der Busse und Erneuerung.» Dass die Kirche sündig ist, ist offensichtlich. Ist sie auch heilig? Sie ist heilig, weil der Heilige Geist am Werk ist und uns in der Gemeinschaft der Glaubenden Gottes Nähe schenkt. Heilig ist die Kirche nicht, weil ihre Glieder und Vertreter alles gut und richtig machen würden, oder weil sie jederzeit tadellos und makellos dastehen würde. Kirche Gottes sind wir nicht, weil wir gut wären, sondern weil Gott gut ist und den Menschen zur Heiligkeit ruft. Darin zeigt sich die Grösse und Ohnmacht Gottes zugleich. Es soll in der Kirche eine Bewegung von der Sünde zur Heiligkeit geben. Aber dafür braucht Gott eine demütige, dienende, kritikfähige und erneuerungsbereite Kirche. Dann kann geschehen, um was zu  beten Not tut: Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu. Komm, Heiliger Geist, reinige und erneuere das Antlitz der Kirche.


JOSEF ANNEN, GENERALVIKAR

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