Wende geschafft
Frau N. wurde von ihrem Ex-Mann wiederholt bedroht und spitalreif geschlagen. Daraufhin wurde er inhaftiert und sie musste alleine mit den Kindern zurechtkommen. Sie verfügte über kein eigenes Einkommen und lebte zu Beginn von Kleinkinderbetreuungsbeiträgen, Alimenten und einem Anteil ÂSozialhilfe. Sowohl Frau N. wie ihre ältere Tochter waren traumatisiert von den Gewaltausbrüchen des Familienvaters und in Behandlung deswegen. Zu allem Unglück wurde das kleine Mädchen von einem Auto angefahren und brach sich dabei ein Bein. Frau N. war zudem in ständiger Sorge, ihre B-ÂBewilligung zu verlieren. Das Migrationsamt drohte mit dem Entzug der Aufenthaltsbewilligung, sofern sie nicht in absehbarer Zeit eine Arbeit fände.
Im Frühjahr 2006 kam Frau N. zum ersten mal in die tandem-Beratung. Ihre beiden Kinder waren damals ein und vier Jahre alt. Gemeinsam erarbeiteten die Beraterinnen mit Frau N. realistische Ziele. In ganz «struben» Phasen halfen die Hausbesuche einer der freiwilligen tandem-Begleiterinnen. Sie trugen dazu bei, dass die junge Frau aus ihrer Isolation und Erschöpfungsdepression herausfand. Auch finanzielle Hilfe war ab und zu nötig: Zustüpfe an Zahnarztrechnungen oder eine Erholung in den Bergen wurden teilweise von tandem, teils von anderen Stiftungen übernommen.
Das letzte Jahr brachte die Wende: Dank der Unterstützung von tandem konnte Frau N., die über keine abgeschlossene Ausbildung verfügte, erfolgreich einen Rotkreuz-Pflegehelferinnen-Kurs absolvieren. Nun arbeitet sie zu 60 Prozent in einem Altersheim. Die zähen Scheidungsverhandlungen konnten abgeschlossen werden und das Besuchsrecht des Vaters wurde endlich fair geregelt. Den Kindern geht es sehr gut, das inzwischen siebenjährige Mädchen ist sogar eines der Besten der Klasse. Frau N. kann heute stolz sein auf das, was sie erreicht hat. Die Familie ist gesund und sie kann tatsächlich mit ihrem bescheidenen Einkommen unabhängig von der Sozialhilfe leben.
MIRJAM ERNI
LEITERIN BERATUNGSSTELLE TANDEM
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