Liebe Leserin, lieber Leser
Ihre Patronin ist die Heilige Verena von Zurzach, sie gelten als Bindeglied zwischen Pfarrer und Pfarrei, als gute Seele im Pfarrhaushalt – die PfarrhaushälterÂinnen. Oder besser gesagt, sie galten. Der Beruf ist vom ÂAussterben bedroht. 2009 ging die 75-jährige Tradition einer kirchÂlichen Gemeinschaft zu Ende: Die Vereinigung der Pfarrhaushälterinnen der Schweiz beschloss ihre Auflösung.
Die Reihen hatten sich zu sehr gelichtet.
Ein Beruf im Wandel: Längst ist die Pfarrhaushälterin nicht mehr diejenige, die den gesamten Pfarrhaushalt besorgt und dort auch wohnt. Immer mehr bewahren sie sich die Unabhängigkeit der eigenen Wohnung, üben den Beruf in Teilzeitanstellung aus oder beschränken sich auf nur eine Tätigkeit. Auf Putzarbeiten zum Beispiel, die Wäsche – oder das Kochen. Da nicht nur die Liebe, sondern auch die Gemeinschaft am Mittagstisch durch den Magen geht, kommt den Pfarrköchinnen eine wichtige Aufgabe zu. Durch Gastfreundschaft wird das Pfarrhaus zur ÂBegegnungsstätte von Pfarreimitgliedern und -mitarbeitern, manchmal auch zum Zuhause von Seelsorgenden im Pastoraljahr.
Wir haben uns im Kanton Zürich auf die Suche nach Pfarrköchinnen gemacht – und sind nach einigen Anstrengungen in Winterthur und Zürich-Seebach fündig geworden. Der Blick
in die Kochtöpfe war gleichzeitig ein Blick in den Alltag im Pfarrhaushalt – und das gemeinschaftliche Essen am Pfarrhaustisch bot mit angeregten Diskussionen Theologie mit PraxisÂbezug.
Schon immer ein wichtiges Thema war das Essen auch im ÂVatikan. Kümmern sich heute Nonnen um das kulinarische Wohl von Papst und Prälaten, so waren in früheren Jahrhunderten Köche mit dieser Aufgabe betraut.
Die Köchinnen der Pfarrer und die Köche der Päpste – für Âeinmal ist in der katholischen Kirche die Gleichberechtigung
der Geschlechter gewährleistet.
PIA STADLER