Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Pfarrköchinnen in den Topf geschaut

Kochen für die Seelsorge-Tafel

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Nicht nur die Liebe geht durch den Magen, sondern oft auch die seelsorgerische Gemeinschaft am Pfarrhaustisch. Eine wichtige Aufgabe kommt dabei den Pfarrköchinnen zu.

 Einig sind sich die zwei Frauen über die Vorzüge ihres Berufes: Eigenständigkeit, Flexibilität bezüglich Menüwahl und Zeiteinteilung, Kreativität – «und die Wertschätzung unserer Arbeit durch zufriedene Menschen».
Ähnlich ist auch ihre Aufgabe: Sie haben mittags im Pfarrhaus eine Tafel mit sechs bis acht Personen zu bewirten, Pfarrer, Pastoralassistentinnen und -assistenten, Seelsorger im Pastoraljahr, Freunde des Hauses und Gäste. «Eine spannende Aufgabe, die verschiedenste Kontakte bringt, aber auch Flexibilität erfordert», sagt Myrta Gründler. «Und manchmal stressreich werden kann», fügt Martina Blum an.
Völlig unterschiedlich jedoch fällt die Meinung der beiden zu den Kochsendungen im Fernsehen aus: Während Martina Blum kaum genug davon kriegen kann und sie als Berufskrankheit bezeichnet, findet Myrta Gründler die Shows völlig uninteressant. Und auch sonst beweisen die beiden Pfarrköchinnen, wie variantenreich derselbe Beruf sein kann – und wie verschieden die Personen, die ihn ausüben.

MYRTA GRÜNDLER, WINTERTHUR


Der erste Griff, sagt Myrta Gründler in ihrer grosszügigen Küche im Pfarrhaus St. Peter und Paul in Winterthur, sei immer jener zum Radio. «Ohne Musik kann ich kaum leben, ihr widme ich nicht nur einen grossen Teil meiner Freizeit, sie begleitet mich auch meist bei der Arbeit.» Seit 1987 ist die gebürtige Thurgauerin und gelernte Verkäuferin hier tätig, ursprünglich für den damaligen Pfarrer und jetzigen Generalvikar Josef Annen, nun für die beiden Pfarrer Hugo Gehring und Stefan Staubli. Dabei ist Kochen nur ein – wenn auch der liebste – Teil ihrer Arbeit. Als Pfarrhaushälterin sorgt sie für das reibungslose Funktionieren des gesamten Pfarrhaushaltes und ist die sprichwörtliche gute Seele des Hauses. Sind beide Pfarrer besetzt oder unterwegs, nimmt sie auch schon mal Telefonanrufe entgegen oder öffnet Ratsuchenden die Türe. «In den Beruf der Pfarrhaushälterin bin ich reingerutscht, mit meiner Arbeit als Köchin habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht», erklärt Myrta Gründler. Rund eineinhalb Stunden sei sie jeweils für ein Mittagessen in Küche, bei aufwändigen Festtagsessen auch länger. Gemischter Salat, Pouletbrüstchen im Ofen, Teigwaren und Gemüseplatte stehen heute auf dem Menü. Kulinarische Anregungen holt sich Myrta Gründler aus Zeitschriften, Kochkursen und Restaurantbesuchen. «Ich probiere gerne neue Rezepte aus – und an meinem Tisch sitzen stets dankbare Esser.» Mindestens ebenso froh wie um die schmackhaften Mahlzeiten sind die Bewohner und Gäste des Pfarrhauses jedoch um mittägliche Gemeinschaft im Pfarrhaus, die persönliche Gespräche ebenso fördert wie angeregte Diskussionen zum Zeitgeschehen. Myrta Gründler schätzt es, nicht nur hinter den Kochtöpfen wirken, sondern auch am Essen teilnehmen zu können. «Ich bin hier zum Glück nicht lediglich Dienstmädchen, sondern Teil einer WG», schmunzelt sie. Die Beziehung zu ihren beiden Pfarrherren sei kollegial. Ihre Arbeit werde geschätzt, dafür sei sie dankbar. «Eine gute Pfarrhaushälterin stellt sich in den Dienst der Gemeinschaft. Sie ist präsent, hält sich aber im Hintergrund, ähnlich wie eine Mutter, die sich um ihre Familie kümmert.»
Seit fünf Jahren wohnt Myrta Gründler nicht mehr im Pfarrhaus. «Eine eigene Wohnung gibt mir mehr Unabhängigkeit», erklärt sie ihre veränderte Wohnform. «Ich kann ungezwungener Kontakte pflegen – und auch meine Bekannten bekochen.»

MARTINA BLUM, ZÜRICH-SEEBACH


Nie auf ihre eigene Wohnung verzichtet hat Martina Blum, die seit rund eineinhalb Jahren bei Pfarrer Martin Piller in Maria Lourdes in Seebach kocht. Im Pfarrhaus zu wohnen sei nie ein Thema gewesen, erklärt sie, umso mehr, als sie im Pfarrhaushalt lediglich für die Küche zuständig sei. Zwei weitere Frauen kümmern sich um die Putzarbeit und die Wäsche. Mit ihren 28 Jahren dürfte Martina Blum die jüngste Pfarrköchin im Kanton Zürich sein. An drei Mittagen pro Woche bereitet sie für Pfarrer Piller und seine Gäste die Mahlzeit zu, ansonsten leitet sie seit sechs Jahren die Saalküche des Gemeindezentrums. Die gelernte Köchin liebt beide Aufgaben – den Kleinhaushalt wie die Grossküche. «Vor allem aber mag ich in beiden Bereichen die grosse Freiheit bezüglich Menügestaltung und Zeiteinteilung. Im Res­taurant müsste ich mich nach den Vorgaben anderer richten, hier kann ich meine Kreativität ausleben.» Ihre Rezepte entwirft sie meist selbst – im Kopf vor den Auslagen im Lebensmittelgeschäft. «Ich koche möglichst saisongerecht und kaufe, was ich gerade im Angebot sehe.» Dass die Zubereitung einer Mahlzeit zwei bis drei Stunden benötigt, nimmt sie in Kauf. Die Freude am Kochen sei ihr von ihrer Mutter mit italienischen Wurzeln in die Wiege gelegt worden, sagt sie und schneidet die Rindshuft in Würfel. Asiatisches Rindfleisch mit Spargeln und Favabohnen soll es heute geben, dazu Parfümreis. Martina Blum mag die asiatische Küche, und die mediterrane. «Meine Mahlzeiten sollen leicht und abwechslungsreich sein», erklärt sie. Es sei eine ungewohnte Herausforderung, in einem Privathaushalt zu kochen, eine, um die sie manche Kollegin beneide, sagt Martina Blum. Weitere Haushaltsarbeiten übernehmen möchte sie allerdings nicht, obwohl die Beziehung zu Pfarrer Martin Piller ausgesprochen gut sei. «Kochen ist mein Metier – und meine Leidenschaft.» Kontakt zu anderen Pfarrköchinnen hat sie kaum. Ihr soziales Umfeld sind Familie und Freunde. Und auch dort dreht sich in ihrer Freizeit vieles ums Essen: «Ich koche auch privat sehr gerne oder geniesse ein gutes Menü im Restaurant. Andere Hobbys als Ausgleich zu Alltag brauche ich nicht. Ausser vielleicht ‹lädälä›.»
Die Zahl der Pfarrköchinnen im Kanton Zürich ist stark rückläufig. Seit die Kirchgemeinden nicht mehr die vollen Kosten für die Angestellten übernehmen, haushalten und kochen viele Pfarrer selber. Das mag (kosten)effizienter, der Gemeinschaft im Pfarrhaus jedoch nicht unbedingt förderlicher sein.


PIA STADLER

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