Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Pfarreien im Porträt: St. Josef, Horgen

Geschichte im Kirchturm

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Bei der Führung durch «ihre» Turm­ausstellung erzählen Walter Hobi und ­Arthur Müller viele Anekdoten. FOTO: BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER
Bei der Führung durch «ihre» Turm­ausstellung erzählen Walter Hobi und ­Arthur Müller viele Anekdoten. FOTO: BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER
30 Jahre träumten Walter Hobi und Arthur Müller von einer Ausstellung im Kirchturm. Als Senioren verwirklichten sie ihren Traum.

Stolz zeigt Walter Hobi in «seiner» Turm­ausstellung die Kirchenportale aus Eichenholz. Sie stammen aus der 1933 abgerissenen Kirche und sind voller schwarzer Tupfen. Der damalige Sigrist Alois Hitz, der bereits mit 14 Jahren seinen Dienst angefangen hatte, fand es schade, die massiven Türen zu entsorgen und legte die Tore vorübergehend ins nahe Gebüsch, von wo er sie später in den Keller als Kohlenfänger brachte – daher die schwarzen Tupfen! Als 1978 die neue Heizung eingebaut wurde, hat Walter Hobi die Portale gerettet und sie 30 Jahre im Turm gehortet, bis sie nun in neuem Glanz und richtigen Scharnieren im Ausstellungsraum hängen!
Von jedem Objekt der Turmausstellung könnten Walter Hobi und Arthur Müller solche Geschichten erzählen. «Die Ausstellung ist einzigartig», betonen die beiden begeistert. «Seit die Kirche 1978 umgebaut und die alte Kirchenausstattung im Turm gelagert wurde, haben wir davon geträumt.» Als Liegenschaftenverwalter der Kirchenpflege hat Hobi dafür gesorgt, dass nichts abhanden kam. Erst 2008 konnte er im Zuge des Neubaues des Pfarreizentrums seinen Traum verwirklichen. Sechs Mitglieder des Männervereins, die meisten von ihnen pensioniert, leisteten unter der Leitung des ehemaligen Innenarchitekten Arthur Müller während der folgenden zwei Jahre Fronarbeit, um die Räume auszubauen und die Ausstellung zu realisieren. Dabei wurde keine Mühe gescheut. Arthur Müller hat das Sicherheitsschloss der alten Antoniuskasse nachgebaut, so dass heute vorgeführt werden kann, wie das öfters aufgebrochene Kässeli gesichert wurde. Sogar der alte Fahnenkasten hat Müller wegen der engen Turmtreppe auseinandergesägt und im Turmzimmer wieder zusammengebaut. Heute werden darin kostbare Messgewänder ausgestellt. Originell wurde die alte Kanzel in die Treppe eingebaut, so dass Besuchende sich sowohl auf wie unter der Kanzel postieren können. Besonders kostbar sind die Kreuzweg-Relieftontafeln aus dem Jahr 1872. Ein Teil von ihnen lagerte vergessen auf dem Estrich des alten Vereinshauses. Dank Sponsoren konnten sie restauriert werden – heute bilden sie das Kernstück der Ausstellung.

NEUE BAUSTEINE GEFRAGT
Im Gegensatz zu den Bauwerken sei die kirchliche Gemeinschaft nie abgeschlossen, sagt Pfarradministrator Jaroslaw Jan Jakus, der seit 2008 in Horgen ist. «Die Gemeinschaft lebt davon, dass immer wieder neue Bausteine eingefügt werden.» So wolle das Seelsorgeteam, das nach einigen Turbulenzen seit 2009 wieder komplett ist, vor allem für die Gemeinschaft im Team und in der Pfarrei Sorge tragen. Ein neues Firmkonzept für Jugendliche ab 17 sei erarbeitet worden, seit einem Jahr wird wieder ein Gottesdienst für Vorschulkinder angeboten. «Unsere Vereine tragen die Pfarrei wesentlich mit», betont die pastorale Mitarbeiterin Regula Oberholzer. Der Frauenverein organisiert einmal im Monat den beliebten «Spaghetti-Treff», wo Junge und Alte, Familien, Kinder und Singles gemeinsam Zmittag essen. Ein weiterer Baustein war und ist die Kirchenpflege. Soeben haben sich fünf, auch jüngere Personen, neu zur Verfügung gestellt. Unter ihnen zwei Ausländer. «Wir wünschen uns, dass die Gemeinde lebendig und offen ist, der Glaube gemeinsam gelebt wird, die Generationen und Sprachgemeinschaften zusammenfinden», betont der ursprünglich polnische Pfarrer.


BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER

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