Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Die Floristen freut's

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Gehört der Muttertag eigentlich zum Kirchenjahr?

Der Muttertag wird in vielen Pfarreien gefeiert, aber zum Kirchenjahr gehört er bis heute nicht. Und was die wenigsten wissen, die da feiern: Seinen Erfolg hat er gewieften Geschäftsleuten zu verdanken. Begonnen hat es – noch ganz idealistisch – in den fernen USA: 1865 wollte Ann Maria Reeves Jarvis eine Mütterbewegung gründen. Sie organisierte «Mothers Day Meetings», bei denen Frauen über aktuelle Themen – auch politische – diskutieren konnten. Als ihre Tochter Anna Marie Jarvis, eine Feministin und Kämpferin für das Frauenstimmrecht, im Andenken an ihre Mutter am 12. Mai 1907 ein «Memorial Mothers Day Meeting» durchführte, wurde sie zur Erfinderin des Muttertags.
Bereits ein Jahr später feierte man am zweiten Maisonntag in der Methodistengemeinde, der Jarvis angehörte, eine Andacht, die allen Müttern gewidmet war. Unermüdlich setzte sich die ledige Lehrerin, die aus einer der angesehensten Familien Virginias stammte, dafür ein, den Muttertag zu verbreiten. 1909 feierten ihn bereits 45 Staaten der USA und 1914 wurde er vom Kongress zum nationalen Feiertag erklärt.
In der Schweiz waren es zwei religiöse Gruppierungen, die ihn früh propagierten. Zum einen die «Chrétiennes de Jeunes Gens de la Suisse romande», die bereits 1914 zum Muttertag aufriefen. Und 1917 folgte die Heilsarmee. Der Erfolg beschränkte sich allerdings auf die eigenen Kreise.
Den Durchbruch des Muttertags besorgten im deutschsprachigen Raum jedoch die Floristen. Das politische Anliegen der Gründerin Anna Maria Jarvis wurde dabei ausgeblendet, es ging schlicht darum, ein gutes Blumengeschäft zu machen. «Lasst Blumen sprechen» ist kein Psalmwort, sondern ein Werbeslogan, den Blumenhändler in den 1920er Jahren erfanden. Gerissen kaschierte der Vorsitzende des Verbandes, Rudolf Knauer, die kommerziellen Interessen der Floristen. «Irgendeine gemeinnützige Gesellschaft» musste her, um als «neutrale Stelle» für den Muttertag zu werben. «Ein zu starkes Hervortreten der Blumengeschäftsinhaber wäre einer baldigen Einführung nicht zum Vorteil.»
1925 wurde die Propagierung des Muttertages deshalb der «Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung» übertragen, um so Kirchen, Schulen und schliesslich die Regierung dafür zu gewinnen, aus der Verkaufsoffensive einen Feiertag zu machen. Nach diesem Vorbild wurden auch die Floristen in der Schweiz aktiv, wo der Muttertag 1930 mit einer breit angelegten Medienoffensive angepriesen und zum Durchbruch gebracht wurde. Als der Muttertag 2008 wieder einmal auf den Pfingstsonntag fiel, forderten die Blumenhändler prompt, den Muttertag vorzuverlegen, denn – so der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels Hubertus Pellengahr mit scheinheiliger Raffinesse –  «die Mütter und der Heilige Geist haben einen eigenen Feiertag verdient».
Die Kommerzialisierung und Verniedlichung des Muttertags hat Anna Maria Jarvis dermassen erzürnt, dass sie ihre zweite Lebenshälfte vehement, aber höchst erfolglos der Abschaffung «ihres» Feiertages opferte. Sie verlor im Kampf gegen den Muttertag ihr gesamtes Vermögen und starb 1948 verarmt und vergessen in einem Altenheim ohne zu wissen, dass ihr Aufenthalt von eben jenen finanziert wurde, deren Geschäftemacherei sie bekämpft hatte: den Blumenhändlern.

THOMAS BINOTTO

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