Wahr-Zeichen
DIE STELLE, WO ER LAG....
 In der Osternacht hören wir im Evangelium nach Markus: «Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weissen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.» (Mk 16,5–6)
Die Frauen, die sich auf den Weg zum Grab gemacht hatten, um, wie es der Bericht sagt, Jesus zu salben (Mk 16,1), finden nur ein leeres Grab. «Der Herr ist nicht hier, er ist auferstanden», lautet die Botschaft des Engels. Das leere Grab ist ein Hinweis auf die Auferstehung des Herrn. Es bezeugt, dass der Herr lebt.
Jesus wurde in einem neuen Grab in der Nähe von Golgota beigesetzt, in einem Grab, das Joseph von Arimathäa zur Verfügung gestellt hatte. Es war wohl sein Familiengrab. Dieses Grab wurde nun zu einem heiligen Ort für die Gläubigen, für die Christen in Jerusalem und in der ganzen Umgebung, schliesslich für den ganzen Erdkreis. Es überdauerte die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 und bald wurde darüber eine Kirche gebaut.
...WIRD UMGENTUTZ ZU EINEM TEMPEL ZUR EHRE DER GÖTTIN VENUS....
Der zweite jüdische Aufstand gegen Rom unter der Führung von Bar Kochba 132–135 hatte die gänzliche Unterdrückung des jüdischen Volkes zur Folge und die weitere Romanisierung der Stadt Jerusalem. Über dem Grabesareal liess Hadrian (Kaiser von 117 bis 138) einen Tempel zur Ehre der Göttin Venus, nach Hieronymus auch zur Ehre des ÂJupiter, errichten. Jerusalem selber erhielt den Namen Aelia Capitolina, um so den Kaiser zu verewigen, dessen voller Name Publius ÂAelius Hadrianus lautete. Das zeigt an, wie wichtig für den Kaiser diese Stadt war und wie bedeutend der Ort des Grabes Christi. Vielleicht erhoffte er sich von der «Umnutzung», eine christliche Tradition zum Verschwinden zu bringen und daraus Profit für das Reich und sein Kaisertum zu schlagen.
...UND DENNOCH NICHT AUS DEM GEDÄCHTNIS DER GESCHICHTE GETILGT.
Doch so wenig es den Hohepriestern gelang, durch Bestechung den Glauben an die Auferstehung des Herrn aus der Welt zu schaffen (vgl. Mt 28,11–15), so wenig sollte es hundert Jahre später dem römischen Kaiser gelingen, den heiligen Ort aus dem Gedächtnis der Gläubigen auszurotten. Im Gegenteil, einer seiner Nachfolger, Konstantin der Grosse, liess die Tempelanlage abtragen und über dem wiederum freigelegten Grab eine neue Kirche erbauen, die heute als Grabeskirche bekannt ist. Die Einweihung fand am 13. September 335 statt. Die Grabeskirche ist ein starkes äusseres Zeichen für unseren Glauben an den Auferstandenen. Sie hat die verschiedenen Wechselfälle und Schicksalsschläge, welche im Laufe der Zeit über Jerusalem hereinbrachen, überlebt – wenn auch mit Veränderungen – und gibt heute noch Zeugnis für das bedeutendste Ereignis für uns Christen, für die Auferstehung Jesu Christi. Über diesen unseren Glauben sagt Paulus: «Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in eueren Sünden, und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als Erster der Entschlafenen.» (1 Kor 15,17–20). Ein frohes Osterfest!
BISCHOF VITUS HUONDER