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Kommentar zum Brief des Papstes

Beleidigte Eminenz

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Mit seinem Brief (forum 7) hat Papst Benedikt XVI. zwei wichtige Zeichen gesetzt. Erstens hat er offen Versäumnisse und Fehler eingestanden. Und zweitens hat er seine Sicht in sehr persönlichen Worten ausgedrückt. Das ist momentan vielleicht das Höchste, was man erwarten kann. Aber sein Brief weist dennoch zwei Schwachstellen auf, über die man nicht einfach hinwegsehen darf.
Zum einen klagt der Papst über die «sprungbereite Feindseligkeit», mit der katholische Kritiker «auf mich einschlagen zu müssen glaubten». Das ist genau jene trotzige Pauschalverurteilung, die er gleichzeitig beklagt. Und zudem ist es ein peinlicher Ausrutscher in die Wehleidigkeit. Wenn meine Mutter uns Kinder mit einer unpopulären Entscheidung konfrontiert hat, pflegte sie jeweils zu sagen: «Ich habe entschieden, ihr habt euch daran zu halten, und jetzt könnt ihr überall erzählen, ihr hättet eine ganz böse Mutter.» Wenn der Papst von der Aufhebung der Exkommunikation nach wie vor überzeugt ist, woran momentan keine Zweifel bestehen, dann sollte er auf die zu erwartende Kritik zumindest nicht wie eine beleidigte Eminenz reagieren.
Schwach ist zum anderen auch die Erklärung der päpstlichen Motivation. Mehrmals betont er zwar, dass die Rücknahme der Exkommunikation ein Akt der Barmherzigkeit gewesen sei. Barmherzigkeit ist in der Tat eine wichtige Tugend, die gerade Päpsten gut ansteht. Genauso erwarten wir von ihnen aber auch ein hohes Mass an Klugheit. Gerade das Nachdenken darüber, ob der päpstliche Entscheid auch ein Akt der Klugheit gewesen ist, das sieht man dem Brief leider nicht an.
Vielleicht erübrigt sich diese Antwort aber von selbst, denn bereits liess der Generalobere der Piusbruderschaft, Bernard Fellay, verlauten: «Wir sind besonders angewidert von der Haltung des deutschen Episkopats, der uns unablässig seine unbarmherzige Feindseligkeit gezeigt hat, die jeder Nächstenliebe entbehrt.» Einige Bischofskonferenzen hätten die Kontroverse um die Bruderschaft genutzt, um «einen offenen Aufstand» gegen den Papst zu führen.

Der Pressesprecher der deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, erwiderte darauf, damit habe Fellay «seine tatsächliche Geisteshaltung» gezeigt. Und Erzbischof Robert Zollitsch hält dies und die angekündigten Weihen durch Bischöfe der Piusbruderschaft für eine «Kampfansage» an die Kirche. Sollte die Piusbruderschaft ihr Verhalten nicht ändern, sei eine erneute Exkommunikation für ihn die «innere Konsequenz», so Zollitsch.

Die Priesterbruderschaft zeigt sich von dieser Warnung seitens der katholischen Bischöfe unbeeindruckt: Die für Ende Juni angekündigten Priesterweihen wurden nicht abgesagt.



THOMAS BINOTTO

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