Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Grundgebete des Christentums: Apostolisches Glaubensbekenntnis VI

Nicht der Schlusspunkt

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«… am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel …»

Ziemlich genau in der Mitte des apostolischen Glaubensbekenntnisses stehen diese Worte, die ja auch den Kern des christlichen Glaubens ausmachen. In elf knappen, fast dürren Worten (lateinisch sind es sogar nur acht) wird hier der Grund unserer einzigen Hoffnung umrissen. Doch welche unermessliche Sprengkraft haben diese wenigen Worte!
Ich weiss nicht, ob es viele Leserinnen und Leser gibt, denen es geht wir mir: Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich diese Worte zum ersten Mal hörte und wie befreiend sie auf mich wirkten. Ich war noch klein, vielleicht in der ersten Klasse, meine Mutter hatte mich zum Palmsonntags-Gottesdienst mitgenommen. Zum ersten Mal hörte ich die Leidensgeschichte und war sehr traurig darüber. Ich traute jedoch meinen Ohren kaum, als ich kurz darauf die Gemeinde beten hörte: auferstanden am dritten Tage (im Wortlaut des Grossen Glaubensbekenntnisses). Mein kindliches Gemüt erfasste staunend und froh, was gemeint ist: Der Tod ist nicht der Schlusspunkt. Ich realisierte aber auch, dass die Erwachsenen nicht mit der gleichen Freude auf diese Worte reagierten. Heute weiss ich, dass man sich auch an eine frohe Botschaft gewöhnen kann, und dass sie von Skepsis überlagert wird, vor allem dann, wenn man geliebte Menschen hat sterben sehen und die scheinbar unerbittliche Endgültigkeit des Todes erfahren hat.
Dennoch bleibt für mich wahr, was Paulus schreibt: Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos (1 Kor 15,14). Schon immer spürten die Gläubigen, dass die Auferstehung Christi auch dem eigenen Leben eine wunderbare Zukunft öffnet: Wie könnte man an Gott als Schöpfer des Universums glauben, wenn er seine Geschöpfe im Tod untergehen liesse? Wie soll man sich an der Liebe Jesu ein Beispiel nehmen, wenn nur der Tod auf die Menschen wartet? So schwierig es sein kann, an die Auferstehung zu glauben, Nicht-Glauben ist noch viel schwieriger. Die Frage lautet doch: sterben wir ins Nichts hinein oder in Gott? Schenke ich der Skepsis oder der Hoffnung mehr Gehör? Diese Entscheidung muss jeder und jede treffen.
Ich will den Blick von den Jenseitshoffnungen nochmals zurück auf das Glaubensbekenntnis lenken: Streiten könnte man sich über das Wort «auferstehen». Es klingt so aktiv. Ist es nicht vielmehr so, dass Gott die Verstorbenen auferweckt? Das neue Testament verwendet beide Begriffe gleichberechtigt. «Auferwecken» rückt Gott als Handelnden ins Zentrum, während «auferstehen» das kennzeichnet, was geschehen ist: Jesus ist auferstanden, weil der himmlische Vater ihn auferweckt hat.
Während ich schreibe, wird mir neu bewusst, wie nahe beieinander im Glaubensbekenntnis Ostern und Himmelfahrt sind – nicht getrennt durch vierzig Tage. Diese sprachliche Nähe bewahrt vor dem Missverständnis, die Auferstehung bedeute Rückkehr ins irdische Leben. Sie macht deutlich, dass das neue Unermessliche sogleich begonnen hat – oder wie es in einem viel zu selten gesungenen Osterlied (KG 456) heisst: Jesus erwacht zum Christus der Welt. «Aufgefahren in Himmel» meint ja nichts raketenmässiges, sondern gerade eine neue Qualität der Zuwendung, dass Jesus Christus nach seiner Auferstehung nicht mehr nur in Galiläa wirken kann, sondern überall, wo Menschen ihn brauchen.

GISELA TSCHUDIN
GEMEINDELEITERIN ST. MARTIN, ZÜRICH

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