MESSGEWAND
Am Anfang, in der Antike, war der Regenmantel, ein rad-artig geschnittener Überwurf nämlich, der von einfachen Menschen als Wetterschutz getragen wurde. Dann wurde er auch in höheren Kreisen beliebt. Ab dem 4. Jahrhundert galt er als festliches Kleidungsstück. Deshalb wurde er Teil der liturgischen Kleidung des Klerus. Sein Charakter als glockenartiger Mantel mit einem Schlitz für den Kopf blieb bis ins Mittelalter erhalten. Er fiel wie ein Umhang mit vielen Falten über Arme und Körper. Als im Laufe des Mittelalters schwerere Stoffe aufkamen, änderte man den Schnitt: Für die Feier der Messe brauchte der Priester Armfreiheit – der schwere Stoff war hinderlich. So wurden die Seiten des Mantels immer kürzer bis im Barock nur noch der Ausschnitt für die Arme blieb. Auch die Länge des Mantels wurde angepasst. Brust- und Rückseite waren indes – auch durch reiche Verzierung – noch fester geworden. Das barocke Messgewand sah aus wie eine Bassgeige und wird deshalb auch so genannt. Als Ende des 19. Jahrhunderts Romanik und Gotik ein Comeback erlebten, kamen erneut weite Gewänder in Gebrauch. Heute gilt, dass ein gutes Messgewand die Bewegungen unterstützen muss, also einen funktionsgerechten Schnitt braucht. Sein mantelartiger Charakter wird vor allem durch die Fülle und Qualität des Stoffes unterstrichen.
GUNDA BRÜSKE, LITURGISCHES INSTITUT