Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Klöster waren zu ihrer Hochblüte ein Ort der Bewahrung und gleichzeitig ein Ort der Innovation. Ohne Klöster hätten wir ein erschreckend ausgedünntes historisches Gedächtnis und lägen gleichzeitig in kultureller, wissenschaftlicher, technischer und wirtschaftlicher Hinsicht weit zurück. Das hat sehr viel damit zu tun, dass Klöster während tausend Jahren – in katholischen Gebieten sogar noch länger – die Bildung dominiert haben. In der Schule ist beides unabdingbar verknüpft: Die Pflege der Vergangenheit mit der Vorbereitung der Zukunft. Die Scholastik des Mittelalters – ebenfalls eine Frucht der Klöster – hat sich gerne als Zwerg auf den Schultern von Riesen gesehen. Dieses Bild spricht für sich: Isoliert betrachtet ist die Gegenwart ein Zwerg. Erst wenn sie sich auf das über Jahrhunderte angehäufte Wissen stellt, sieht sie weit. Aber dann, wenn der Zwerg einmal auf der Schulter des Riesen steht, sieht er tatsächlich weiter als dieser.
Schulen sind also dazu da, aus Kindern Zwerge zu machen, die sich auf die Schultern von Riesen stellen und von da aus weiter denken können. Das ursprüngliche Konzept der Klosterschule ist also so aktuell wie eh und je. Und weil es die Lernschule mit der Lebensschule verbinden will, ist es sogar von dringlichster Notwendigkeit. Die gute Klosterschule, oder schlicht jede gute Schule bietet nicht nur Wissen, sondern auch Werte, Vorbild und Anleitung. Ich bin geneigt zu behaupten: Klosterschulen sind so wichtig, dass sie sogar die Klöster überleben werden.
Das ist natürlich unmöglich, deshalb wünsche ich unserer Kultur und Gesellschaft, dass die Klöster ihre Nachwuchskrise überstehen und einen Weg für die notwendigen Reformen finden werden. Grund zur Hoffnung, dass dies gelingen könnte, liefern die Riesen: Es gab schon früher Zeiten, da lebte in Einsiedeln gerade noch eine Handvoll Mönche. Und revolutionäre Reformen hat es in der Geschichte der Klöster auch schon etliche gegeben.

THOMAS BINOTTO


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Thomas Binotto