Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2008 forum Nr. 24, 2008 Liebe Leserin, lieber Leser
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Liebe Leserin, lieber Leser

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Dieses Heft erscheint zum Fest Christ­könig, dem Abschluss des Kirchenjahres, kurz vor dem Advent, mit dem das neue Kirchenjahr beginnt. Deshalb ist es der Spannung zwischen Bewegung und Ruhe gewidmet, denn im Advent wird beides zusammenkommen: Wir machen uns zum Aufbruch bereit und kommen gleichzeitig zur Besinnung.
Das halte ich für eine brisante Botschaft, denn Mobilität ist in unserer Gesellschaft zu einem beinahe absoluten Wert ohne Gegengewicht geworden. Dass Mobilität auch zum Problem werden kann, haben wir bislang erst in der Verkehrspolitik so richtig
realisiert. Allerdings denkt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits wieder über die staatliche Subventionierung des Autokaufs nach. Offiziell, um schadstoffärmere Autos zu fördern, in Wirklichkeit aber, um der angeschlagenen Autoindustrie auf die Beine zu helfen. So schnell macht die Finanzkrise jene Schwüre vergessen, die man im Klimaschock ausgestossen hat.
Aber Mobilität spielt sich nicht nur im Strassenverkehr ab. Wir kennen auch eine ungemein vielfältige soziale Mobilität, die sämtliche Bereiche unseres Lebens berührt. Und neuerdings werden wir mit den Folgen einer kaum mehr kontrollierbaren
Mobilität des Geldes konfrontiert.
Bis vor kurzem klang «Stabilität» verstaubt. «Erfahrung» erschien als behäbig. «Nullwachstum» eine Chimäre. Und «Treue» ein Begriff aus der moralischen Mottenkiste. Aber ich bin überzeugt, dass diese Worte und ihre Werte in die Diskussion über Grenzen und Chancen unserer Mobilität gehören, weil wir diese Diskussion umfassend führen müssen.
Die Kirche hätte dazu etwas zu sagen und viel zu bieten. Nicht indem sie erstarrt, und das dann als Beständigkeit verkauft, sondern indem sie wieder entdeckt, dass im Begriffspaar «Ora et labora» genau jener Weise Umgang mit Mobilität steckt, den das Christentum lehren könnte: Ständig unterwegs zu sein und dennoch ganz präsent. Die Bewegung in der Ruhe zu finden – und die Ruhe in der Bewegung.

THOMAS BINOTTO

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Thomas Binotto