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Sie sind hier: Startseite Archiv 2008 forum Nr. 12, 2008 Philosoph mit Weitsicht und Bodenhaftung
Weihbischof Peter Henrici zum 80. Geburtstag

Philosoph mit Weitsicht und Bodenhaftung

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Peter Henrici war vor seinem Wirken in Zürich Professor für neuere Philosophiegeschichte an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.

Nicht das Viele, das es im Leben von Bischof Henrici zu rühmen gibt, soll erwähnt und repetiert werden. Die Festakademie, die am 12. Juni in Chur zu seinem 80. Geburtstag durchgeführt wird, wird dies in gebührendem Masse tun. Stattdessen sollen einige Erinnerungen aufgefrischt werden, ein paar römische Eindrücke, persönliche gewiss, aber auch wieder mehr. Früheres soll gegenwärtig werden, nicht aus nostalgischen Gefühlen, sondern um etwas vom biografischen Lebensbogen von Bischof Henrici in den Blick zu bekommen.

DISZIPLIN DER GEDANKEN
Bischof Henrici war Lehrer, und zwar ein Lehrer der Philosophie. Er hat diesen Beruf in einem anspruchsvollen Umfeld ausgeübt, bei jungen, wissbegierigen Germanikern, in jenem Priesterseminar, das in Rom für deutschsprachige Seminaristen von Ignatius gegründet wurde. Ihnen wurde beigebracht, wie bei der Philosophie, auf der Suche nach Weisheit vorzugehen ist. Wer wissen möchte, was die Welt im Innersten zusammenhält, der wurde darauf hingewiesen, wie nützlich es ist, vor Beginn der Arbeit Bleistift und Papier hinzulegen, vielleicht sogar eine saubere Linie mit dem Lineal zu ziehen. So hatten es sich die jungen Studenten nicht vorgestellt. Sie mochten zufällig aus der Bibel gelesen haben, dass «die Furcht Gottes» der Anfang der Weisheit sei (Ps 111,10), aber nicht ein kontemplatives Einspitzen. Später erst werden sie gewahr, dass in diesen Ratschlägen, wie sie Primarschülern gegeben werden, die Disziplin der Gedanken und die Ordnung der Vernunft beginnt.
Klar: Damit war das Metier des Lehrers nicht erschöpft. Es zeigt nur im Kleinen, dass der praktische und pädagogische Alltagsverstand Bischof Henrici, auch bei aller Konzentration auf philosophische Gedanken, nie verlassen hat. Er wird wohl kaum jemals dem Gelächter einer thrakischen Magd ausgeliefert worden sein, die bekanntlich den Thales auslacht, weil er ob seiner philosophierenden Himmelsbetrachtung in die Zisterne fällt. Nein, philosophisches Denken muss im Praktischen nicht untauglich machen, wie es im Leben von Peter Henrici bewiesen ist. Er war nämlich nicht bloss Philosoph, sondern ein Lehrer der Philosophie, der gerade dadurch auf dem Boden praktischer Realität blieb.
Dies zeigt sich nicht bloss darin, wie er an der Gregoriana ein Zentrum der Kommunikationsmittel aufbaute und strukturierte, sondern auch wie er mühelos ein Doktorandenseminar über Hegel in Latein hielt; oder noch mehr, wie er so komplizierte Gedanken wie diejenigen von Kant und Heidegger in 4 – 5 modernen Sprachen lehrte, auch sogar in Züritütsch. So weiss der heutige Generalvikar Martin Kopp zu erzählen: «Ich hatte ein Examen über den jungen Hegel abzulegen. P. Henrici fragte mich, in welcher Sprache ich sprechen wolle, in Frage komme auch Züritütsch. Ich entschied mich tatsächlich für Züritütsch. P. Henrici gefiel das sehr und er meinte schmunzelnd, wenn einer den Hegel wirklich auf Züritütsch erklären kann, dann hat er ihn verstanden.» – Da ist dem jungen Lehrer eine Kompetenz zugewachsen, die es verstand, komplizierte Dinge auf den Begriff zu bringen, ohne dadurch zu einem «terrible simplificateur» zu werden.

Es sei Gabe und Aufgabe eines Weisen, Ordnung zu machen. «Sapientis est ordinare». Was den Studenten in Rom beigebracht wurde, war Ordnung in den Gedanken und den Begriffen. Es musste zuallererst klar gemacht werden, was und welcher Inhalt mit welchem Ausdruck gemeint war, damit Verständigung und Kommunikation überhaupt möglich, damit aber auch Verwirrung oder gar ein grosses Durcheinander verhindert wird. Was in Rom dem Lehrer Henrici als Fähigkeit zugewachsen war, sollte ihm später als Bischof zugute kommen. Jetzt ging es nicht mehr bloss nur um Klärung der Begriffe, sondern um Ordnung in einer verfahrenen und aufgewühlten kirchlichen Situation. Ein pastoraler Flurschaden, der durch die Ernennung von Bischof Haas entstanden war, war zu beheben: Durch kluges und kontinuierliches Anstreben von Lösungen und durch neue Gewinnung von Vertrauen.

VERANTWORTLICHER UMGANG MIT WORTEN
So war vielleicht in Bischof Henrici der richtige Mann für die richtige Zeit und für die richtige Aufgabe gefunden. Er verbreitete einen Sinn für verantwortlichen Umgang mit den Worten. Da, wo es um die Sache ging, musste genau zugehört und präzise mit dem Wort umgegangen werden. Wie damals schon in Rom, so später in der Schweiz, war es schwer in seiner Gegenwart, öffentlich vor anderen, einfach Unsinn zu reden.
Mag so der Weggang von Rom als eine «perdita sensibile» für die Universität Gregoriana gewesen sein, so war dieser Verlust für die katholische Kirche in der Schweiz ein eindeutiger Gewinn. Nicht wenig vom vorgegebenen und formulierten Auftrag wurde erfüllt, nämlich «dass die Seelen versöhnt und die von Christus gebotene Eintracht gefestigt werden möge».

P. HANS SCHALLER SJ

Hans Schaller war 1974 bis 1977 Henricis Nachfolger als Repetitor für Philosophie am Collegium Germanicum in Rom.


Am Donnerstag, 12. Juni, findet an der Theologi-schen Hochschule Chur eine Festakademie zu Ehren von Weihbischof Peter Henrici statt. Sie beginnt um 9.30 Uhr mit einer Eucharistiefeier in der St. Luzikirche. Anschliessend wird Prof. Jörg Splett einen Festvortrag in der Aula der Hochschule halten.


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FOTO: CHRISTOPH WIDER

Der Sinn fürs Praktische hat Peter Henrici bei
aller Konzentration auf philosophische Gedanken nie verlassen.