St. Luzi in neuem Kleid
Vor fast zwei Jahren verwandelte sich der Gebäudekomplex „Priesterseminar St. Luzi / Theologische Hochschule Chur“ in eine grosse Baustelle. Lärm und viel Staub gehörten sowohl für die Bewohner des Seminars als auch für die Studierenden und die Lehrkräfte fortan zum Alltag. Zeitweise standen zwei Krane auf dem Areal. Monatelang ging man über abgedeckte Böden, vorbei an plastikverhängten Fensteröffnungen. Und es konnte geschehen, dass jemand, der von aussen kam, sich plötzlich etwas irritiert vor einer zugemauerten Tür wiederfand.
Inzwischen ist ein grosser Teil der Sanierungs- und Umbauarbeiten beendet; spätes-tens Anfang November soll die ganze Renovation abgeschlossen sein – pünktlich zum 200-Jahr-Jubiläum des Priesterseminars. 1807 liessen sich nämlich die ersten Theologiestudenten zusammen mit ihrem Regens im ehemaligen Prämonstratenserkloster St. Luzi nieder, nachdem sie aus dem Priesterseminar in Meran vertrieben worden waren. Seither wurde das Gebäude in mehreren Bauetappen zur heute vertrauten S-Form erweitert. Die neusten Bauarbeiten veränderten die äussere Gestalt des Gebäudekomplexes einerseits um einen mehrstöckigen Anbau neben dem Hochschulflügel, wodurch weitere Räume geschaffen wurden. Andererseits macht der neue Erschliessungstrakt, der sich über sieben Etagen erstreckt, mit seinem Lift die THC nun rollstuhlgängig. Rollstuhlgängigkeit – es gibt neu auch einige behindertengerechte Zimmer – und mehr Räume waren aber nur zwei von vielen Gründen, welche die Sanierung und den Umbau unvermeidlich machten.
MEHR KOMFORT FÜR GÄSTE
Als man im Jahr 2000 beschloss, die Theologische Hochschule Chur (THC) weiterzuführen, entschied man sich gleichzeitig sowohl für eine innere, geistige Erneuerung als auch für äussere, bauliche Veränderungen. Der Regens Josef Annen geht davon aus, dass die Räume, in denen sich Menschen oft aufhalten, wesentlich zu deren Wohlbefinden beitragen. Sie seien gleichsam die zweite Haut des Menschen. Den alten Mauern von St. Luzi – die älteste Bausubstanz stammt aus dem 12. Jahrhundert – solle kein „muffiger Geruch“ anhaften. Die Renovation vor allem der Zimmer fördere die Atmosphäre und die gastfreundliche Ausstrahlung des Hauses. Gerade im Hinblick auf die Aufnahme von Gastgruppen wurden die 60 Zimmer, die Studierenden und Gästen zur Verfügung stehen, neu mit Nasszellen ausgestattet. Neben den sanitären Anlagen musste – im Zeitalter des Internets – auch die gesamte Haustechnik erneuert werden. Jedes Zimmer verfügt nun über den heute fast unverzichtbaren Internetanschluss.
ZENTRUM MIT AUSSTRAHLUNG
Der bereits erwähnte Erschliessungstrakt trägt ebenfalls zu einer höheren Wohnqualität bei. Er macht die Stockwerke mit den Zimmern der Seminaristen und den Unterkünften der Gäste, die Hochschulräume und die Wirtschaftsräume unabhängig voneinander zugänglich. Mit der Entflechtung von Hochschule und Seminar ist so einem Hauptgrund für den Umbau Rechnung getragen. Dazu gehört, dass die bis anhin an vier verschiedenen Orten untergebrachte Bibliothek mit ihren 1,7 km Büchern neu in einem eigenen Trakt einquartiert ist.
Zurzeit studieren 49 Frauen und Männer an der THC, davon leben 23 Studenten im Priesterseminar. Ebenfalls in den Räumen des Seminars untergebracht sind die Absolventen des Einführungsjahres, das in der jetzigen Form seit 2002 existiert und seit diesem Jahr interdiözesan geführt wird. Dazu kommen noch 18 Personen, die sich im Rahmen des Pastoralkurses insgesamt sechs Wochen in St. Luzi aufhalten. Für sie wie für alle Personen, die sich in den letzten Monaten im Priesterseminar und an der THC aufhielten, war es eine staubige und lärmige Zeit. Nun schält sich aus den Plastikverkleidungen und den Gerüsten das Ergebnis der Arbeiten heraus. Ein Ergebnis, das Freude macht und das Studieren, Lehren und Leben auf attraktive Weise vereinfacht und unterstützt. St. Luzi möge ein theologisches Kompetenzzentrum und eine Stätte der Priesterausbildung mit Ausstrahlung werden – so wurde bei der Entscheidung zur Weiterführung im Jahr 2000 das Ziel formuliert. Die Sanierungs- und Umbauarbeiten sind ein gelungener Schritt auf dem Weg hin zu diesem Ziel.
ALEXANDRA DOSCH
12. November 2007: Einweihung
24. November 2007: Tag der offenen Tür
www.priesterseminar-chur.ch