Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Zweite Orgel für die Kirche St. Josef in Zürich

Trouvaille aus Frankreich

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Seit einem halben Jahr steht in der Kirche St. Josef in Zürich eine zweite, kleine Orgel für die musikalischen Darbietungen zur Verfügung. Der hauseigene Organist Mark Richli konnte das über 80-jährige Instrument in Frankreich erwerben.

Im Januar dieses Jahres wurden die Pfarreimitglieder von St. Josef im „forum“ zweimal über eine „kleine Veränderung im Kirchenraum“ orientiert. Konkret ging es dabei um eine kleine Chororgel, die seit Ende Oktober 2006 gut sichtbar im Chorraum der Kirche steht und dabei so perfekt dort platziert ist, dass man denken könnte, das Instrument ruhe schon seit Jahrzehnten dort. Dabei steht zum jetzigen Zeitpunkt gar noch nicht fest, ob die historische Orgel im Chorraum der Kirche überhaupt verbleiben darf. „Die Diskussion darüber ist noch im Gange“, meint der Organist von St. Josef, Mark Richli, der sich auch einen Namen als Instrumentenrestaurator gemacht hat. Bis heute habe er allerdings nur positive Reaktionen bekommen. Doch die Präsenz der Orgel, die Richli der Kirche als Leihgabe unentgeltlich zur Verfügung stellt, stösst anscheinend nicht überall auf Zustimmung, wie der Hausorganist vorsichtig antönt. Es seien einzelne Mitglieder der Kirchenpflege, die es wohl lieber sähen, wenn das Instrument wieder abtransportiert würde. „Mir ist nicht klar, was dagegen spricht“, meint Richli offen dazu. Wann eine Entscheidung gefällt wird, ist noch offen. In der Liebfrauenkirche, in der seit 1999 ein nahezu identisches, wenn auch älteres Instrument steht, wurde ebenfalls lange über den definitiven Standort diskutiert.
Mark Richli, als Instrumentenrestaurator bereits im Besitz von mehreren historischen Tasteninstrumenten, kam im vergangenen Jahr zufällig über eine Annonce im Internet zu seiner aus dem Haus des Orgelbauers Louis Debierre (1842–1920) aus Nantes stammenden Chororgel. Diese – sie wurde 1925 von Debierres Nachfolger Georges Gloton ausgeliefert – befand sich seit den zwanziger Jahren in einer Kirche in der Pariser Vorortsgemeinde Fontenay-sous-Bois. Weil an der Stelle, wo das Instrument stand, ein Mauerdurchbruch bevorstand, wollte man die Orgel jedoch möglichst rasch veräussern. Zudem sollen auch finanzielle Gründe die Verkaufsabsicht gefördert haben. Richli fuhr zuerst für eine Besichtigung dorthin, dann ein zweites Mal mit 14 000 Euro und einem Lastwagen, um das Instrument nach Zürich zu transportieren. Allerdings wartete auf den Restaurator eine immense Arbeit von rund 500 Stunden Instandstellungsaufwand, denn die Chororgel war in einem schlechten Zustand. Es waren laut Richli unprofessionelle Eingriffe vorgenommen worden, so dass das Instrument alles in allem klanglich nicht mehr auf der Höhe war. Heute, nach Abschluss der Restaurierung, die eine vollkommene Zerlegung des Instruments verlangte, dürfte es wieder einen Wert von mindestens 80 000 Franken haben.
Ungefähr 400 Chororgeln wurden in Nantes bei Debierre und seinen Nachfolgern zwischen 1870 und 1965 gebaut, wobei zahlreiche davon nach Übersee in die Missionen verfrachtet wurden. Andere dagegen stehen zum Teil bis heute in den Chorräumen verschiedener Kirchen in Frankreich, allerdings im Gegensatz zur Kirche St. Josef, die auch über eine grosse Orgel verfügt, meistens als einziges Orgelinstrument. Mark Richli musste denn auch in der Anfangszeit für sich herausfinden, wie damit umzugehen ist, dass für die musikalische Umrahmung plötzlich zwei Instrumente zur Verfügung stehen: „Zuerst spielte ich während eines Gottesdienstes beide Orgeln, was aber nicht ideal war, weil ich so gezwungen war, hin und her zu laufen.“ Inzwischen entscheide er sich jeweils im Voraus, die kleine oder die grosse Orgel zu spielen, wobei er sich dabei auch von der liturgischen Grundidee leiten lässt, in weniger festlichen Zeiten grundsätzlich auf das grosse Instrument zu verzichten.

SANDRO SCHAUB

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Organist Marc Richli an seinem neuen Instrument. FOTO: SANDRO SCHAUB