BIENE
In der Antike galt sie als göttliches Tier, Vergil hat sie besungen. Im alten symbolischen Kosmos ist ihr Ort der Übergang von Licht und Schatten, Nacht und Morgen, Winter und Frühling, Sterben und Leben. Für Christen verdichtet sich dieser Übergang vom Tod zum Leben in der Osternacht. Der grosse österliche Lobpreis, das Exsultet, nimmt die Biene in den Dank hinein, denn sie stellt das Wachs für die Kerze her. Die Kerze ist Produkt der Schöpfung und ihrer Arbeit. Werden in der Eucharistie Brot und Wein als Gaben der Schöpfung und der menschlichen Arbeit im Gedenken an Jesus Gott hingehalten, so in der Osternacht die Kerze mit Lobpreis für die Auferstehung Jesu.
Den Bienen gilt mehr als Schöpfungslob. Im lateinischen Exsultet wird die Biene „Mutter“ genannt. Dahinter steht ein marianisch-weihnachtlicher Gedanke aus dem Original-Exsultet (um 500): „O wahrhaft glückliche und wunderbare Biene, deren Geschlecht Männchen nicht verletzen, Geburten nicht zerbrechen und deren Keuschheit Kinder nicht zerstören. So hat die heilige Maria als Jungfrau empfangen, als Jungfrau geboren und ist Jungfrau geblieben.“ Über die Vermehrung der Bienen wissen wir heute mehr, aber noch immer ist sie staunenerregend. Ursprünglich war das Lob der Biene auch Marienlob und Gedächtnis der Menschwerdung. Ostern und Weihnachten gehören zusammen. Von beidem gilt, was das Exsultet ausruft: „O wahrhaft selige Nacht, in der dem Irdischen das Himmlische, dem Menschliche das Göttliche verbunden wird.“
GUNDA BRÜSKE, LITURGISCHES