Schule im Wandel
Die Freien Katholischen Schulen Zürich, die im Jahr 1924 mit einer von Menzinger Ordensschwestern geführten Mädchensekundarschule am Hirschengraben ihre Geburtsstunde erlebten, erweitern ihr Angebot. So soll das Katholische Gymnasium mittelfristig von vier auf acht Klassen ausgebaut und die Zahl der aktuell 90 Schülerinnen und Schüler auf rund 160 erhöht werden. Dementsprechend braucht es mehr Platz für das Gymnasium, um die neuen Klassen unterzubringen. So wird das Gymnasium im August 2007 von der Kreuzbühl- an die Sumatrastrasse ziehen und dort ein eigenes Schulgebäude beziehen, das derzeit mitten in der Umbauphase steckt. Bis zum Sommer sollen die Bauarbeiten am Haus abgeschlossen werden, sodass der Umzug an die Sumatrastrasse wie geplant vollzogen werden kann.
Mit der Erhöhung der Klassenzahl und dem Umzug an den neuen Standort wird auch das Profil des Gymnasiums ausgebaut: Das Schwerpunktfächerangebot wird um das Fach Wirtschaft und Recht erweitert (zu Latein und Italienisch), zudem wird das Ergänzungsfach Anwendungen der Mathematik eingeführt (zu Philosophie, Religionslehre und Biologie). Die neuen Fächer sollen die Schülerinnen und Schüler noch besser auf die Erfordernisse der Zeit vorbereiten und das Profil der Schule schärfen.
Die Konkurrenz der Gymnasien ist in der Stadt unübersehbar, sind doch mitten in der Stadt Zürich, in der unmittelbaren Umgebung der Katholischen Schulen, fünf Kantonsschulen und zwei weitere private Gymnasien ansässig. Umso mutiger ist der Schritt zu werten, das Angebot noch auszubauen. „Die vier vergangenen Jahre zeigten, dass es richtig und sinnvoll war und ist, mit dem Katholischen Gymnasium Zürich der Mittelschulpalette noch einen unverwechselbaren Farbton hinzuzufügen“, kommentiert Alfons Lenherr, Rektor des Gymnasiums, die Gesamtsituation. Die zunehmenden Schülerzahlen sind denn als Erfolg des Schulkonzepts zu werten, das verbreitet auf grosse Resonanz stösst. Alfons Lenherr: „Unsere Schule besitzt einen guten Ruf in der Bevölkerung. Natürlich gibt es auch bei uns die Probleme, die es unter den Jugendlichen heute gibt. Aber weil man sich kennt und die Wege zwischen Schülern, Lehrern und Eltern aufgrund der Überschaubarkeit kurz sind, werden derlei Probleme früh erfasst und können im Gespräch gelöst werden, indem wir aktiv die Kommunikation zwischen den Betroffenen fördern.“
Nicht unwesentlich scheint der Erfolg der Katholischen Schulen in einer wieder spürbaren Hinwendung zu den jüdisch-christlichen Werten zu liegen, die Orientierung und Halt verleihen können in einer Welt, die alle Werte zu verlieren scheint. Religion ist offensichtlich wieder ein Thema unter den Jugendlichen und naturgemäss nicht nur bei den katholischen Schülern. So betont Lenherr die religiöse Durchmischung der Schülerschaft: „Etwa ein Viertel der Schülerinnen und Schüler sind evangelisch-reformiert, und auch muslimische und konfessionslose Jugendliche besuchen unsere Schule. Auch bezüglich des sozialen Hintergrunds sind wir ausgeglichen: Gut die Hälfte der Schülerschaft stammt aus bildungsfernen Kreisen.“ Das Konzept der Freien Katholischen Schulen umfasst auch eine betreute Mittagszeit und erscheint in dieser aufgeschlossenen und fortschrittlichen Ausrichtung auch für alleinerziehende Mütter als attraktive Alternative zu den staatlichen Kantonsschulen.
MAGNUS LEIBUNDGUT