Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

Vergangene Ausgabe
Leserbrief Service Archiv Impressum Kontakt
Sie sind hier: Startseite Archiv 2007 forum Nr. 6, 2007 Islam
Beten in anderen Religionen

Islam

Artikelaktionen

Kennt ihre Religion ein Grundgebet wie das „Vaterunser“?
Beatrix Laila Oulouda: Ein eigentliches Haupt- oder Grundgebet gibt es nicht. Es gibt die textlich und rituell gebundenen fünf täglichen Gebete und die freiwilligen, so genannten Bittgebete. Es können Bittgebete aus dem Qur’an und der Sunna verwendet werden, meist arabisch gesprochen, aber auch ganz individuelle Gebete sind möglich, in der eigenen Sprache. In jedem Pflichtgebet muss aber die 1. Sure des Qur’ans, die Sura al-Fatiha rezitiert werden. Vielleicht könnte man sie deshalb als den Hauptgebetstext ansehen. Von ihrer Bedeutung her ähnelt sie dem christlichen Vaterunser: „Mit dem Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Alles Lob gebührt Gott, dem Herrn der Welten, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen, dem Herrscher am Tage des Gerichts. Dir allein dienen wir und Dich allein bitten wir um Hilfe. Leite uns recht auf den gradlinigen Weg, den Weg derer, denen Du Wohlergehen hast zuteil werden lassen, die weder deinen Zorn erregen noch abgeirrt sind.“

Welches sind ihre wichtigsten Gebetszeiten?
Zu den Pflichten eines Muslims gehören die täglichen fünf Gebete. Diese müssen zu ganz bestimmten Zeiten durchgeführt werden: Am Morgen zwischen Morgendämmerung und Sonnenaufgang; am Mittag, wenn die Sonne den Zenith überschritten hat; am Nachmittag, wenn der Schatten eines Gegenstandes doppelt so lang ist,;am Abend, gleich nach Sonnenuntergang und das letzte Gebet, wenn es vollständig dunkel ist. Da sich die Zeiten nach dem Sonnenstand richten, gibt es zwischen Sommer und Winter grosse Zeitunterschiede. Laut dem Propheten Muhammad, Gottes Segen und Frieden über ihn, ist die beste Gebetszeit (für ein freiwilliges Zusatzgebet) am Ende der Nacht.

Welches sind die wichtigsten Haltungen und Rituale beim Gebet?
Die fünf täglichen Pflichtgebete sind nach einem genau vorgeschriebenen Ritual zu verrichten. Die Texte müssen in Arabisch gesprochen werden und vor dem Gebet muss eine rituelle Körperwaschung vollzogen werden. Ohne sie ist das  Gebet ungültig. Der Gebetsplatz soll sauber sein, darum verwendet man meist einen Gebetsteppich. Man betet in Richtung der Kaaba in Mekka. Ein Gebet besteht aus mehreren Einheiten, die sich wiederholen. Während dem Gebet werden verschiedene Körperhaltungen eingenommen. Im Stehen rezitiert man zuerst die erste Qur’ansure, die Fatiha, und anschliessend einen Qur’anvers nach Wahl. Anschliessend verneigt man sich, richtet sich wieder auf und wirft sich zu Boden, wobei die Stirne den Boden berührt. Dann kniet man sich hin und wirft sich nochmals zu Boden und verharrt dann kniend-sitzend. In dieser Stellung ist eine Einheit beendet. In all diesen Stellungen lobpreist man Gott.
Man kann sich fragen: „Wozu denn alle diese Körperbewegungen?“ Ganz einfach: Hat Gott denn nicht beides erschaffen, Seele und Körper, beide zusammen? Und da solches Gottes Wille war, soll man dann nicht sowohl mit dem Leibe als auch mit der Seele zu Ihm beten?

INTERVIEW: JUDITH HARDEGGER

Beatrix Laila Oulouda ist Präsidentin des Vereins
VIRPS (Verein islamischer Religionspädagogen Schweiz). Sie erteilt seit fünf Jahren islamischen Religionsunterricht und engagiert sich im interreligiösen Dialog.


Artikelaktionen